Der Flugplatz in Zwickau bebte vier Tage lang. Motoren knatterten. Reifen quietschten. Vor der Bühne drängten sich die Fans.
Knapp 6.000 Menschen kamen zum diesjährigen Simsontreffen. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene feierten die legendären Mopeds aus DDR-Zeiten. Auf der Rennstrecke wurde geschraubt und beschleunigt. Auf dem Campingplatz lief die Party bis tief in die Nacht.
Die Veranstalter sprachen nach dem Festival von einem „unvergesslichen Wochenende“. Diesen Eindruck können wir nachvollziehen. Die Bilder vom Gelände zeigen volle Tribünen, dichte Staubwolken und eine Szene, die ihre Maschinen mit viel Herzblut lebt.
Polizei registriert deutlich weniger Straftaten
Rund 390 Polizistinnen und Polizisten begleiteten das Treffen von Donnerstag bis Sonntag. Die Einsatzleitung bewertete den Verlauf überwiegend positiv.
Ganz ruhig blieb es dennoch nicht.
Die Polizei nahm 21 Straftaten auf. Darunter waren vier Körperverletzungen. Im Vorjahr lagen die Zahlen deutlich höher. Damals registrierten die Beamten 44 Straftaten und 18 Körperverletzungen.
Polizeioberrätin Katharina Matt leitete den Einsatz. Laut ihrer Bilanz gab es an allen vier Tagen Verstöße und Straftaten. Ihre Zahl blieb jedoch unter dem Niveau des vergangenen Jahres.
Quad sorgt bei Polizisten für Knalltrauma
Ein besonders lauter Zwischenfall ereignete sich am Freitagabend.
Drei Polizisten im Alter zwischen 35 und 45 Jahren waren als Kommunikationsteam auf dem Gelände unterwegs. Neben ihnen stoppte ein 25-Jähriger mit einem Quad. Das Fahrzeug hatte keinen Schalldämpfer.
Der Fahrer beschleunigte plötzlich stark. Der enorme Lärm verursachte bei den drei Beamten ein Knalltrauma. Die Polizei erteilte dem Mann einen Platzverweis.
Cannabis, Amphetaminspuren und verbotene Pyrotechnik
Auch gegen einen weiteren 25-Jährigen laufen Ermittlungen.
Der Mann soll unerlaubte Pyrotechnik gezündet haben. Als die Polizei ihn kontrollierte, räumte er ein, Drogen dabeizuhaben. Die Beamten fanden knapp 100 Gramm Cannabis. Dazu kam eine Fliese mit Rückständen von Amphetaminen.
Auch dieser Besucher musste das Gelände verlassen.
Sieben verfassungsfeindliche Vorfälle
Die Polizei erfasste sieben Delikte mit verfassungsfeindlichem Hintergrund. Die Veranstalter reagierten auf Vorschlag der Beamten mit Hausverboten gegen alle betroffenen Personen.
Dieser Punkt überschattet das Festival seit Jahren. Immer wieder fielen einzelne Besucher mit nationalsozialistischen Gesten, Symbolen oder Parolen auf.
Die Organisatoren bezeichnen das Simsontreffen als unpolitische Veranstaltung. Verfassungsfeindliche Kennzeichen sollen konsequent angezeigt werden. Für uns ist klar: Wer eine lebendige Mopedkultur feiern will, braucht keine Nazi-Symbole auf dem Zeltplatz.
Simson ist mehr als ein Wahlkampfmotiv
Das Simsontreffen nennt sich selbst das größte Festival seiner Art. Jedes Jahr rollen Tausende Fans mit Schwalbe, S51 und weiteren Simson-Modellen nach Zwickau.
Die Marke besitzt jedoch auch eine schmerzhafte Geschichte.
Jüdische Nachfahren der Familie Simson kritisierten in diesem Jahr, dass die AfD das Kultmoped für ihren Wahlkampf nutzt. Die Familie wurde während der NS-Zeit verfolgt. 1936 musste sie ihre Fabrik in Suhl verkaufen.
Später entstanden dort die Mopeds, die heute ganze Generationen verbinden.
Genau deshalb sollten wir die Geschichte hinter dem knatternden Zweitakt-Sound nicht ausblenden. Simson steht für Technik, Jugendkultur und ostdeutsche Identität. Die Marke trägt aber auch die Spuren von Enteignung und Verfolgung.
Das Simsontreffen in Zwickau zeigte beide Seiten: eine energiegeladene Szene mit Tausenden friedlichen Fans – und einzelne Vorfälle, die nicht zwischen Motorenlärm und Festivallicht verschwinden dürfen.
