Dem Reeperbahn Festival droht der nächste finanzielle Einschnitt. Die Bundesregierung will ihren Zuschuss erneut deutlich kürzen. Statt 6,27 Millionen Euro wie im vergangenen Jahr sollen 2027 nur noch drei Millionen Euro aus Berlin fließen.
Schon 2026 sank die Förderung auf rund 4,5 Millionen Euro. Für Hamburg und die deutsche Musikbranche wird die Luft damit spürbar dünner.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer verteidigt den Kurs. Er fordert, dass Hamburg einen größeren Teil der Kosten übernimmt. Wer von der internationalen Strahlkraft des Festivals profitiere, müsse auch finanziell mehr Verantwortung tragen.
Aus seiner Sicht lag die Last bisher zu stark beim Bund. In früheren Jahren kamen rund 90 Prozent der öffentlichen Zuschüsse aus Berlin. Hamburg steuerte etwas mehr als fünf Prozent bei. Im laufenden Jahr zahlt der Bund laut Weimer noch knapp drei Viertel. Der Hamburger Anteil liegt inzwischen bei gut 25 Prozent.
Weimer sieht das Reeperbahn Festival als Erfolgsgeschichte. Mit Unterstützung des Bundes sei es zu einer der wichtigsten Plattformen der internationalen Musikwirtschaft gewachsen. Genau deshalb solle die Finanzierung künftig auf mehrere Schultern verteilt werden.
Hamburg warnt vor schweren Folgen
Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda hält die geplanten Kürzungen für gefährlich. Er hofft, dass der Bundestag den Haushaltsentwurf noch verändert.
Wir können seine Sorge nachvollziehen. Das Reeperbahn Festival ist weit mehr als eine bunte Konzertwoche rund um den Kiez. Hier treffen junge Acts auf internationale Labels, Booker, Medien und Branchenprofis. Deals entstehen. Karrieren nehmen Fahrt auf. Neue Musik bekommt eine Bühne.
Brosda bezeichnet das Festival als einen global bedeutenden Treffpunkt und als Leuchtturm der deutschen und europäischen Musikwirtschaft. Sollte der Bund seine Pläne durchziehen, drohe dem Musikstandort Deutschland eine empfindliche Schwächung.
Hamburg habe frühere Kürzungen bereits mit zusätzlichen Landesmitteln abgefedert. Die Förderung der gesamten deutschen Musikbranche könne jedoch nicht allein an der Hansestadt hängen bleiben.
SPD kritisiert kulturelle Schieflage
Auch Hansjörg Schmidt, Sprecher für Kreativwirtschaft der Hamburger SPD-Fraktion, geht Weimer scharf an. Wer das Reeperbahn Festival schwäche, treffe den gesamten Musikstandort Deutschland.
Besonders bitter findet Schmidt die geplante Verteilung der Bundesmittel. Während beim Reeperbahn Festival gespart werden soll, könnten die Zuschüsse für die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth steigen.
Für Schmidt zeigt das eine klare Schieflage in der Kulturpolitik. Er betont, dass das Reeperbahn Festival kein kleines Hamburger Szeneprojekt sei. Es sei die wichtigste Plattform der deutschen Musik- und Kreativwirtschaft.
Der Streit geht in die nächste Runde
Der Bund verlangt mehr Geld aus Hamburg. Die Stadt verweist auf die bundesweite Bedeutung des Festivals. Dazwischen steht eine Musikbranche, die Planungssicherheit braucht.
Aus unserer Sicht darf dieser Streit nicht auf dem Rücken von Künstlerinnen, Künstlern, Clubs und unabhängigen Musikunternehmen ausgetragen werden. Das Reeperbahn Festival lebt von neuen Stimmen und mutigen Ideen. Genau diese Energie gerät unter Druck, wenn die öffentliche Förderung Jahr für Jahr schrumpft.
Die entscheidenden Gespräche finden nun im Bundestag statt. Dort wird sich zeigen, ob die drei Millionen Euro bestehen bleiben oder ob der Bund seinen Sparkurs noch einmal korrigiert.
