Kurz vor den Bayreuther Festspielen gab es einen Schreckmoment.
Festivalchefin Katharina Wagner musste wegen einer Blinddarmerkrankung in ein Krankenhaus nach Regensburg. Laut Sprecher Hubertus Herrmann erholte sie sich rechtzeitig. Einen Tag vor dem Auftakt stellte die 48-Jährige das Jubiläumsprogramm und die Pläne für die kommenden Jahre per Videoschalte vor.
Bayreuth feiert 150 Jahre Festspiele
Vor 150 Jahren brachte Richard Wagner sein Opernfestival erstmals auf die Bühne.
Zum Jubiläum startet die Saison am Samstag nicht mit einer Oper. Stattdessen spielt das Festspielorchester Beethovens 9. Symphonie. Am Pult steht Christian Thielemann.
Das Werk hat in Bayreuth eine besondere Geschichte. Schon bei der Grundsteinlegung des Festspielhauses am 22. Mai 1872 erklang die Symphonie. Damals dirigierte Richard Wagner selbst.
Den Festvortrag hält seine Urenkelin Nike Wagner.
Merz, Merkel und Söder auf dem roten Teppich
Bayreuth wird zum Auftakt erneut zum Treffpunkt für Politik und Prominenz.
Bundeskanzler Friedrich Merz wird erwartet. Auch Angela Merkel hat zugesagt. Die frühere Kanzlerin gilt seit Jahren als Wagner-Fan.
Auf der Gästeliste stehen außerdem Alexander Dobrindt, Dorothee Bär, Markus Söder, Ricarda Lang und Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir.
„Rienzi“ kommt erstmals ins Festspielhaus
Die erste neue Produktion folgt am Sonntag.
Wagners frühe Oper „Rienzi“ wird zum ersten Mal im Bayreuther Festspielhaus aufgeführt. Damit holt das Festival ein Werk auf den Grünen Hügel, das dort bisher keinen Platz hatte.
Neo Rauch und Thielemann planen neuen „Parsifal“
Für 2027 setzt Katharina Wagner auf ein eingespieltes Team.
Künstler Neo Rauch und Dirigent Christian Thielemann entwickeln eine neue Inszenierung von „Parsifal“. Rauchs Frau Rosa Loy soll ebenfalls beteiligt sein.
Das Trio kennt Bayreuth bereits. Rauch gestaltete das Bühnenbild der gefeierten „Lohengrin“-Produktion, die von 2018 bis 2025 lief.
Daneben ist eine neue Version von „Lohengrin“ geplant. Auch Tobias Kratzers „Tannhäuser“ kehrt noch einmal zurück. Dieses Mal soll es wirklich der letzte Lauf sein. Die „Meistersinger“ kommen ebenfalls wieder ins Programm.
Mehr Premieren, weniger Geld
Hinter den Kulissen wächst der Druck.
Künftig sollen jedes Jahr zwei neue Produktionen entstehen. Dafür steht jeder Inszenierung nur noch etwa die Hälfte des bisherigen Budgets zur Verfügung.
Geschäftsführer Hans-Dieter Sense begründet den Kurs mit veränderten Sehgewohnheiten. Produktionen hätten heute eine kürzere Lebensdauer. Das Publikum wolle schneller neue Bilder, neue Ideen und neue Deutungen sehen.
Wir erleben Bayreuth damit zwischen Tradition und Neustart.
Katharina Wagner ist zurück. Das Jubiläum kann beginnen. Doch der Spagat zwischen großen Namen, neuen Produktionen und kleineren Budgets wird den Grünen Hügel noch lange beschäftigen.
