Zynisch-italienisch Wanda! Wie die Wiener Band mit „Bologna“, „Bussi Baby“ und „Columbo“ den Austro Pop international revolutioniert!

Der Name einer Zuhälterin als Bandname? Wer macht denn sowas? Das geht doch nicht...oder? Doch – und wie das geht! Die Wiener Band machts uns vor und obwohl es schon ein wenig verrückt ist, lieben wir es. Denn seien wir uns mal ehrlich – verrückte Dinge sind gut, ja, mehr als gut! Und wie diese kontroverse, direkt-aus-dem-Leben-singende Band seinen Namen wirklich bekam und nun in aller Munde ist, erfährt ihr hier im homies: Spotlight!
Wanda

Mit viel Liebe, Italien und kontroversen Songtexten polarisiert Wanda seit einigen Jahren nicht nur die österreichische Musikbranche. Auch international schlägt die Band hohe Wellen.

Die fünfköpfige Band aus Wien wurde 2012 gegründet und benannte sich selbst nach der österreichischen Zuhälterin Wanda Kuchwalek aus Wien, die zu ihrer Zeit eine knallharte Lady war und als die „Wilde Wanda“ bekannt wurde. Auf die Frage, warum man seine Band nach einer Zuhälterin benennt, antwortete Marco Wanda, der Leadsänger der Band:

Wir wollten einen urgefährlichen Bandnamen!

Marco Wanda

Inzest in Italien

Die viel diskutierten Songs mit oftmals zynischer, wienerischer Sprache behandeln Themen wie Leben, Liebe und Tod und immer einer kleinen Prise Bella Italia.

2014 erschien ihr Debütalbum „Amore“ und stieg von 0 auf Platz 13 in die österreichischen Album-Charts.

Besonders der Song Bologna aus diesem Album, der viele zum Schmunzeln und Stirnrunzeln bringt, öffnet laut Leadsänger und Gitarrist Marco Wanda die nicht ausgelebten Gefühle der Menschen. Der etwas befremdliche Text des Songs handelt von Inzest-Wünschen mit der eigenen Cousine und den Amore Erfahrungen der Tante Ceccarelli im schönen Emilia-Romagna.

Und weiter mit "Amore", "Bella Italia" und vielen Bussis

Ein Jahr später wurden die Band bei den österreichischen Amadeus Austrian Music Awards in der Kategorie Alternative Rock/Pop ausgezeichnet, gewann zudem auch den FM4 Award und wurde zur Band des Jahres gekürt. Im März 2015 erhielt ihr Album „Amore“ Goldstatus in Österreich.

Und bereits gegen Ende des Jahres erschien ihr zweites Album „Bussi“ beim Sublabel Vertigo Records und stieg sofort auf Platz 1 in die Charts.

Themen wie Liebe, Leben und ja, auch der Tod spielen im Song „Bussi Baby“ eine große Rolle: Die Mutter wollte nach Italien (klar, wohin sonst), starb aber in Wien. Schnaps, Drogen und über 50 Bussis (ich habs gezählt) schmücken den Liedtext aus. Und im Subtext mehr als einmal Sexismus. Dass gerade Ronja von Rönne, Model und Journalistin, die durch ihren Artikel über Feminismus schlagartig bekannt wurde, eine eher sexistische Rolle im Musikvideo einnimmt, scheint Leadsänger Wanda entgangen zu sein. Gegen gesellschaftlichen Konventionen und mehr als eine Grenze zu überschreiten – darauf scheint es die Band abgesehen zu haben – Hauptsache anders!

Ihr Stil ist ungewöhnlich, aber ansprechend und bringt einen tollen Mix aus Pop, Indie-Rock und Rock‘n‘Roll mit sich. Ihre Inspiration bekommt die Band von „Der Nino aus Wien“, „Soap und Skin“ und den „Beatles“. Außerdem hören die fünf gerne Platten und beispielsweise entstand auch so der Songtext zu „Bologna“. Während einem Mix aus „Brahms“ und „Nirvana“ und einer (Zwinker) Flasche Wein. Ob sich Brahms etwa mal darüber Gedanken gemacht hat, zu welchen Songtexten seine Musik führen würde? Wohl kaum, ansonsten wäre er sicher ein zweites Mal gestorben. Aber gut, lassen wir Brahms da raus. Wer ist denn nun zuständig für diese aufrührerischen, extrem kontroversen und doch so mega guten Texte?

Lebensfreude lässt mich Texte schreiben

Marco Wanda
Wie genau Lebensfreude mit beiläufig erwähntem Inzest, enormen Drogenkonsum sowie Alkoholmissbrauch zusammenhängt, das lassen wir mal seine Sache sein.

Charmant oder eher verwahrlost?

Wie stellt man sich Wanda eigentlich vor? Fünf Typen, die wie eine Boygroup in die Kamera lächeln, perfekt gestylt sind und wo der Schmalz nicht nur aus den Haaren tropft? „Niente“, wie ihr 2017 erschienenes drittes Album schon sagt: Nö, nichts von alldem.
Alte Leder- und Jeansjacken, Haare nicht nur am Kopf, Beine überkreuzt, in der linken Hand ein Glas Schnaps und rechts eine Kippe in der Hand. Das triffts wohl eher! Und natürlich weiterhin viel Amore. Das Jahr davor wurde die Band noch einmal nominiert für den Amadeus Austrian Music Award.

Also warum Niente? Hat sich denn nichts verändert in den letzten Jahren? Oder bezieht sich der Titel eher auf den Hit des Albums „Columbo“?
Spätestens seit diesem Song kennt auch die jüngere Generation die Serie mit Peter Falk in der Hauptrolle, der als Inspektor Columbo für alles eine Lösung findet. Es scheint so als hätte Wanda ihre Abenteuerlust vergessen und die geheimen Gefühle für die Cousine verdrängt, denn im Song „Columbo“ gehts um nackte Couch-Potatoes, die nichts zu tun haben außer Columbo schauen und schlafen. Schaut man aber näher hin, also nicht in den Fernseher, sondern auf den Text, dann fällt Folgendes auf: Columbo, der für alles und jeden eine Lösung findet, soll auch den beiden auf der Couch helfen, die scheinbar ein Problem haben. Und hätten wir nicht schon genüg Verstörendes (Liebe für die eigene Cousine oder der Tod der Mutter in Wien) bei Wanda gesehen, endet der Text so:

Am Ende fällt Columbo etwas ein, Lass es unsere Rettung sein, Es wird eine schöne Lösung sein, Doch wir beide passen nicht hinein

Columbo

Also gibts neben Amore und Tod noch die Trauer und ungelöste Probleme. Der Song ist für Marco Wanda ein Stück Erinnerung an seine Kindheit, denn er und seine Bandkollegen lieben diese Serie. Columbo sei „ur-wienerisch, weil er gewaltlos und immer mit seinem Schmäh durchkommt“, sagt Marco. Im Musikvideo treffen sich verliebte Pärchen im Eisenerzer Bergbaugebiet, jedoch wechselt die Szene kurz darauf zu Weinen, traurige Gesichter, weglaufende Pärchen und Regen. Danach wird das ganze in die Luft gejagt und Marco kommt mit etwas zerzausten Engelsflügeln samt Lederjacke – natürlich – herabgeflogen.
Das ganze Album ist gekennzeichnet von Nachdenklichkeit, Traumzuständen, Vergänglichkeit und Verletzlichkeit. Vor allem die akustischen Klänge von Gitarre, Klavier und Streichinstrumenten geben dem ganzen Album einen schwermütigen Touch. Und der letzte Song des Albums mit dem Titel „Ich sterbe“ macht die Stimmung nicht besser.
Die nihilistische Färbung des Albums soll die Menschen an ihre Vergänglichkeit und an ihr Leben denken lassen. Es geht um Fragen der Gegenwart. 

Das, was den Menschen immer beschäftigen wird. Was wir denken, fühlen wollen im großen Strom zwischen Liebe und Tod.

Marco Wanda

Und Ciao!

Nein, nein, keine Sorge, „Ciao“ bedeutet nicht nur Abschied! Mit viel Amore, weiteren Fragen über das Dasein und astrologischen Liedtexten wie „Gerda Rogers“, die vielleicht bessere Antworten als Inspektor Columbo findet, geht es weiter mit der Band im Juni 2019 mit ihrem vierten Album.
Mit diesem Album wollte die Band eine neue Richtung einschlagen. Veränderungen gehören zum Leben dazu und nach bekanntlich mehreren Exzessen während der letzten Tour scheint es so, als hätte sich die Band und ja, auch ihre Songs verändert.

Es wird irgendwann langweilig, sich nur zu berauschen, zu besaufen und mit Drogen zuzudröhnen. Den Tag einmal klar zu beginnen, hat auch etwas sehr Rauschhaftes!

Manuel Poppe

Also weg von Wein, Schnaps, Drogen und äh…Wein und Schnaps?
Ja, vielleicht bedeutet auch dies das neue Album: Ciao zum Alten und Ciao zum Neuen! Denn das neue Album soll „ganz einfach anders“ sein als die alten.
Besonders die Single „Ciao Baby“, welche uns mehr als einen Ohrwurm beschert, ja, wohl eher einen ganzen Haufen davon, wurde sofort zum Hit! Und obwohl nicht viel Text darin ist und mehr als einmal Wiederholungen vorkommen (unsere Deutsch-Lehrer hätten den Text wohl rot markiert), geht er uns nicht mehr aus dem Kopf. Ähnlich vielleicht wie von einer anderen Band? Der eine oder andere dürfte die Ähnlichkeit zu den allzu bekannten Fab Four, den Beatles, bemerkt haben. Denn Marco gilt als großer Verehrer dieser Kult-Band.

Zu den Beatles kehre ich immer wieder zurück. Ich fühle mich dieser Art Musik zu machen irgendwie sehr verwandt. Wie viel Literarisches und Lebensphilosophisches, aber auch wie viel Nonsense sich in den Texten findet, das versteh ich sehr gut.

Marco Wanda

Mit Lebensphilosophie und „Amore“ gehts also weiter und wir sind schon gespannt, wie Wanda uns mit ihrem fünften Album überraschen und/oder erschrecken wird! Bis dahin, „Ciao Baby“!

Wanda

Genre(s): Pop, Indie-Rock, Rock‘n‘Roll
Mitglieder: Michael Marco Fitzthum, Manuel Christoph Poppe, Christian Hummer, Ray Weber, Lukas Hasitschka
Herkunft: Wien
Gründungsjahr: 2012

Titelbild Credit: © Vertigo Berlin

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