Seafret über „Most of Us are Strangers”, interaktive Musikvideos und Wasser | homies: Interview

Seafret sprechen im homies: Interview über ihr neues Album „Most of Us are Strangers“ und warum Wasser eines der Hauptthemen ihrer Musik ist. 
Seafret Interview

Harry, eine Hälfte des britischen Folk Indie-Singer/Songwriter Duos Seafret erzählt im homies: Interview ihr neues Album Most of Us are Strangers und warum Wasser eines der Hauptthemen ihrer Musik ist

Zu Beginn: WER ist eigentlich dieses Seafret?
Seafret ist ein musikalisches Duo aus Yorkshire in Großbritannien und besteht aus Jack Sedman (Gesang) und Harry Draper (Gitarre und Klavier). Entstanden ist die Band bereits 2010, nachdem sie sich bei einer Open-Mic-Night kennengelernt haben. Dieser Abend war auch gleichzeitig Jack’s erster Auftritt überhaupt und Harry war eigentlich nur dort, um die Bluegrass Band seines Vaters mit seinen Gitarrenskills zu unterstützen. Er und Jack verstanden sich von der ersten Sekunde an super gut und starteten noch in derselben Woche gemeinsam Musik zu machen – und sie haben seither nicht mehr damit aufgehört

WAS ist eigentlich dieses Seafret?
Harry: Zu Anfang waren wir regelrecht die Definiton eines Akkustik-Duos. Ich spielte ausschließlich akustische Gitarre und Jack sang dazu. Wir wuchsen beide am Meer auf und so nahmen wir die Worte „Sea“ und „Fret“, ein Teil der Gitarre und fügten sie einfach zusammen. Gleichzeitig beschreibt das Wort „Seafret” auch den Dunst, der vom Meer aus ans Land geweht wird. Davon hatten aber weder Jack noch ich je gehört.

WIE arbeitet dieses Seafret?
Harry: Normalerweise starten wir mit einem Gitarren-Riff, das ich mir aus dem Ärmel schüttle, danach arbeiten wir gemeinsam an der Melodie und Jack fügt als letzten Schritt noch den Text hinzu. Wir unterstützen uns aber natürlich auch in allen Bereichen. Unser letztes Album entstand übrigens komplett in einem Studio in Schottland.

Richtig bekannt geworden sind die beiden übrigens durch ihren Song „Oceans“. Im Musikvideo zu sehen ist hier Maisie Williams, bekannt aus Game of Thrones.

Und das neue Album? „Most of Us are Strangers“ erschien Mitte März 2020.
Wir haben Harry nach ihren Intentionen und der Bedeutung des Albums gefragt. 
Harry: Wir versuchen es möglichst zu vermeiden, die Intention oder die Bedeutung, die ein Album für uns persönlich hat, offen anzusprechen. Viel lieber ist es uns, den Zuhörern die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein Bild zu machen und hoffentlich Elemente zu finden, zu denen sie persönlich Bezug nehmen können. Aber im Großen und Ganzen vertritt das Album die Aussage: „It’s okay, not to be okay.“ Wir sind uns alle fremd, mehr oder weniger und es ist okay über seine Gefühle zu reden und sich zu öffnen.

Die Thematik, das Fremde aufeinander treffen und zueinander eine Verbindung aufbauen wurde von euch schon einmal im Musikvideo zu „Wildfire“ aufgegriffen. Ist diese Themen etwas, dass euch generell am Herzen liegt?
Harry: Absolut. Neue, interessante Leute kennenzulernen gibt uns Energie und ist für uns oft mit die größte Inspiration.

Gemeinsam mit dem neuen Album und der gleichnamigen Single habt ihr auch ein Musikvideo zu „Most of Us are Strangers“ veröffentlicht. Kannst du mir ein paar Einblicke in den kreativen Prozess des Videos geben?
Harry: Wir arbeiteten mit Stuart Alexander, einem großartigen Regisseur, an diesem Video. Es ist bereits das vierte Video, das wir mit ihm produzieren, wir harmonieren einfach zu gut miteinander. Seine Ideen sind immer extrem inspirierend und wir sind immer sehr glücklich mit den Resultaten.

Lass uns ein bisschen beim Thema Musikvideos bleiben. Warum denkst du, dass das Musikvideo als Instrument für Musiker immer noch eine so große Relevanz mit sich bringt und denkst du, dass sich daran jemals etwas ändert oder etwas neues den Platz der Musikvideos einnehmen könnte?
Harry: Für uns wird es immer ein wichtiger Bestandteil sein. Einem von dir kreierten Musikstück eine visuelle Komponente hinzuzufügen, steigert das Ganze auf ein anderes Level. Ich denke nicht, dass Musikvideos je ganz verschwinden werden.

Das Duo wagt sich aber auch gerne einmal über „normale“ Musikvideos hinaus und probiert innovativere Wege aus.

Für ein Behind The Scenes zu eurem Musikvideo „Atlantis“ habt ihre eine interaktive Karte erstellt. Was hältst du grundsätzlich von interaktiven Inhalten und können wir von euch in Zukunft auch ein ganzes, interaktives Musikvideo erwarten?
Harry: Wir hatten viel Spaß dabei diese Karte zu gestalten und umzusetzen und ich denke bei den meisten Leuten kommen interaktive Elemente sehr gut an und jeder kann sich involviert fühlen. Wir werden sich in Zukunft nochmal versuchen so etwas auf die Beine zu stellen.

Viele eurer Songs, Musikvideos, Cover Art und natürlich euer Bandname selbst haben in irgendeiner Form mit Wasser zu tun. Was genau fasziniert euch denn daran so sehr?
Harry: Wir sind am Meer aufgewachsen, es war ein großer Teil unserer Kindheit und begleitet uns bis heute. Als wir dann nach London gezogen sind um unser erstes Album aufzunehmen, fiel uns auf wie sehr wir das Meer vermissen und das wir es gar nicht richtig zu schätzen wussten. Erst der Umzug in die Stadt machte uns so richtig klar, wie wunderschön und inspirierend eine große Menge Wasser sein kann.

Also dann, stilles oder prickelndes Wasser?
Harry: Für mich, definitiv stilles Wasser.

Der Kontakt zu eurem Publikum scheint euch sehr wichtig zu sein und ihr seid sehr aktiv darauf aus eure Zuhörer in alles mit eizubinden, was ihr so macht. Warum ist diese Verbindung so wichtig für euch?
Harry: Unsere Fans sind großartig. Sie sind der Grund warum wir tun können, was wir lieben. Wir sind unendlich dankbar und sie in den Prozess mit einzubinden ist das Mindeste, das wir tun können.

 

Ihr bittet auch immer wieder eure Fans, ihre Geschichten zu erzählen und mit anderen und auch euch zu teilen. Erhofft ihr euch dadurch eine engere Verbindung zu eurem Publikum aufzubauen?
Harry: Jeder hat eine Geschichte. Es ist ein unglaubliches Gefühl, nicht nur seine eigene Geschichte zu offenbaren, sondern auch Geschichten anderer Leute zu hören. Wir haben großes Glück, dass so viele Leute sich in unserer Musik wiederfinden und bereit sind, Teile ihres Lebens mit uns zu teilen.

Wenn du dir einen Film oder eine Serie aussuchen könntest bei dem/der euer Album mit im Soundtrack wäre, welcher/welche wäre das?
Harry: Wie cool wäre es unseren Song „Oceans“ im Hintergrund einer David Attenborough Dokumentation zu hören. Das wär Wahnsinn.

Jetzt mal abgesehen von der Musik, was sind deine Ziele im Leben?
Harry: Ich bin vor Kurzem Vater geworden, momentan versuche ich also einfach der beste Vater zu sein, der ich sein kann. Vater zu sein, ist das Schönste was ich bisher erleben durfte.

Und als Abschluss: Was dürfen wir von euch 2020 noch erwarten?
Harry: Angesichts der aktuellen Situation hoffentlich viel neue Musik, da wir jetzt, ohne Tour, mehr zum Schreiben kommen.

homies: music &events bedankt sich ganz herzlich für das Interview und hofft natürlich mit, dass es bald neue Musik von Seafret zu hören gibt und man die beiden dann auch bald wieder live erleben kann.

Seafret

Genre: Folk, Indie, Singer/Songwriter
Mitglieder: Jack Seemann & Harry Draper
Herkunft: Yorkshire, UK
Gründungsjahr: 2010

Titelbild Credit: © Kris Kesiak