Provinz über „Wir bauten uns Amerika“, Bandrituale und Tourleben | homies: Interview

Wir haben die Jungs von Provinz kurz nach dem Release ihres lang ersehnten Debütalbums zum Interview getroffen und mit ihnen über "Wir bauten uns Amerika", Bandrituale, Tourleben und vieles mehr gequatscht. Viel Spaß beim auschecken!
Provinz Interview

Am 3. Mai 2019 habt ihr eure Debüt-EP “Reicht dir das” veröffentlicht. Wie würdet ihr die vermutlich sehr verrückte Zeit nach dem Release bis zum heutigen Tag beschreiben und was waren eure persönlichen Ups&Downs aus dieser Zeit?
Es war schon eine sehr gute Zeit! Wir waren sehr sehr viel unterwegs, haben coole Festivals und die ersten eigenen Konzerte gespielt, das erste Mal haben Menschen bei Auftritten mitgegröhlt, wir haben angefangen unser Album aufzunehmen, haben viele gute Leute getroffen… Es ist sehr viel sehr schnell passiert und dafür sind wir sehr dankbar!

Euer Debütalbum nennt sich „Wir bauten uns Amerika“ – wie sieht euer Amerika aus und könnt ihr uns Auszüge aus eurer “Bill of Rights” geben?
Für uns ist das Amerika, von dem wir im Titel reden, unser Album und unsere Zeit als Band. Demnach ist das wichtigste Grundgesetz das ShotGun-Gesetz für die Sitzplätze im Tour-Bus. Daran hält sich ohne Diskussion jeder bei uns.

Welcher Song auf “Wir bauten uns Amerika” bedeutet euch am meisten und warum?
Das ist immer etwas schwer zu beantworten. Aber ich würde sagen, dass das für uns „Mach Platz“ und „Ich baute dir Amerika“ sind. Zum einen finden wir, dass die zwei Songs einen schönen Rahmen um das Album spannen und auch das Album inhaltlich sehr schön zusammenfassen. Außerdem sind es die Songs, wo wir uns musikalisch am meisten Freiheit genommen und experimentiert haben.
Ebenso „Wenn die Party vorbei ist“, da der Song live am besten funktioniert.

Was macht euch “high” und verhilft euch aber auch zum wieder Runterkommen? Gibt es ein besonderes “Provinz-Bandritual” kurz vor dem Auftritt?
Sehr kitschige Antwort, aber live in einem heißen, stickigen vollgestopften Club zu spielen und die ganze Energie mit allen im Raum zu teilen ist schon ein sehr irres Gefühl. Sonst natürlich auch hier und da ein Vino oder ein Bierchen 😉 Und danach wieder runterkommen machen wir automatisch immer dann, wenn wir wieder nach Hause kommen. Da ist alles so entschleunigt und ruhig und immer wieder alles beim Alten, da ist leicht abgeschaltet.

Es gibt auch einen Trinkspruch, den wir jedes Mal vor dem Auftritt zusammen mit sehr viel Energie aufsagen.

Warum habt ihr euch entschieden, mit „Nur Freunde/Verlier dich“ gleich zwei Songs auf einmal rauszubringen?
Das lag daran, dass wir im Januar spontan unsere Release-Strategie über den Haufen geworfen haben und dann „Nur Freunde“ veröffentlichen wollten. Aber alleine hat der Song uns nicht so gut ins Konzept gepasst. Also haben wir noch „Verlier Dich“ mit veröffentlicht, da wir ein gutes Videokonzept für beide zusammen erarbeiten konnten. Darüber hinaus gefiel uns die Idee von einem sonst eher ungewöhnlichem Doppelrelease.

Der Conntect zwischen dem Weltfußballer “Diego Maradona” als Personifikation für Aufstieg und Fall verdient einen Preis für das perfekte Sinnbild. Wie kam es zur Songidee?
Vincent arbeitete die letzten Jahre nebenher noch als Filmvorführer im Kino. Und da sah er letztes Jahr die Doku über Diego Maradona.

Die Person und alles wofür er stand, zum einen der harte Absturz und die peinlichen Schlagzeilen, zum anderen gefeiert wie ein Gott in Neapel, ist faszinierend. Und da kaum jemand über ihn bisher Songs geschrieben hat, hat Vincent das dann eben gemacht. 😀

Sei es “Was uns high macht”, “Diego Maradona” oder auch “Zu jung”. Wer von euch ist das Mastermind und hat dieses extreme Gespür für hitverdächtige Refrains? Wie entstehen Provinz-Texte?
Texte schreibt bei uns fast ausschließlich nur Vincent. Meistens kommt er mit einem Textfetzen und einer Melodie in den Proberaum, dann arbeiten wir daran gemeinsam weiter. Und den Text schreibt er dann für sich zu Ende. Wir treffen uns in der Regel jeden Morgen um 11 Uhr, die Zeit davor nutzt Vincent zum Schreiben.

Corona hat auch vor euch nicht halt gemacht. 2020 wäre für euch ein großes Tour-Jahr mit rund 40 Festivals gewesen. Wie geht es euch in der aktuellen Zeit, wo seid ihr und freut ihr euch schon auf die Tour, die nun ja bis 2022 geht?
In der Tat, das hat uns einen großen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber nachdem wir alles ein bisschen verarbeitet hatten haben wir angefangen, die viele Zeit, die wir jetzt zwangsläufig haben, zu nutzen, um beispielsweise neue Songs zu schreiben, viel zu proben und den Album Release vorzubereiten.

Aber nichtsdestotrotz sind wir heißer denn je auf unsere immer noch erste eigene Tour. Wir können es kaum noch erwarten.

Auf welches Festival und Konzert hättet ihr euch besonders gefreut?
Zum einen natürlich auf das Abschlusskonzert bei uns in Ravensburg, es wäre ein krönender Abschluss für das Jahr geworden. Und ebenso auch auf das Southside Festival, welches für uns so ein bisschen das Heimatfestival ist. Daran denken wir schon seit Mosse vor 10 Jahren das erste Mal da war.

Welche Musiker feiert ihr privat und gibt es Bands/Künstler, die ihr uns weiterempfehlen wollt?
Wir haben alle zusammen einen sehr breit gefächerten Musikgeschmack. Das geht von Klassikern wie den Hosen, Queen, Beatles oder den Stones über deutsche Musiker wie Element of Crime und Herbert Grönemeyer bis hin zu Casper, Loyle Carner, Coldplay, Mac Miller oder Trettmann.

Sehr empfehlenswert ist eine deutsche Newcomerband aus Hannover. Jeremias heißen die Jungs, mega live Band, gute Texte, mega Musiker!

Wir sind Provinz und wir…
können es kaum noch abwarten, bis wir endlich wieder auf Tour sind.
sind drei Cousins und Leon.
haben endlich unser Album released, checkt das ruhig mal aus 😉
spielen gerne live Konzerte aber noch lieber FIFA
wollen danke an Alle sagen, die mit uns den Weg bestreiten.

Titelbild Credit: © Provinz