Provinz releasen ihr Debütalbum „Wir bauten uns Amerika“ | Album Review

Was entsteht, wenn drei Cousins und ein Kumpel in der Provinz aufwachsen? Eine der spannendsten neuen Indie-Bands der letzten Jahre natürlich! Noch dazu darf heute gefeiert werden, denn die gerade erwähnte Band Provinz feiert heute den lang ersehnten Release ihres Debütalbums “Wir bauten uns Amerika”. Wir durften schon vorher reinhören und euch erwartet eines der besten Alben 2020! Viel Spaß mit unserer Review.
Provinz Wir bauten uns Amerika

Wir bauten uns Amerika” kann als eine Metapher, die als Ausbruch aus der Jugend in der Provinz und das Eintauchen in die Großstadt verstanden werden kann. Für nichts steht Amerika mehr, als das Ausleben der eigenen Träume und der ewigen Suche nach dem Glück. „Es gab wohl keinen Ort auf der Welt, der von unserer Provinz gefühlt weiter weg sein konnte“, erzählt uns Schlagzeuger Leon.

“Heute sind wir an einem Punkt, dass wir uns einfach unser eigenes Amerika bauen: wir produzieren unser erstes Album zusammen. Und wir brechen aus der Provinz in die Welt auf, auch das wollten wir damit zum Ausdruck bringen.”

Mach Platz!

„Mach Platz für uns, denn wir bleiben wach!“ – mit dem Opener „Mach Platz!“ knüpft Provinz nahtlos an das Gefühlsgewitter ihrer letzte EP „Reicht dir das“ an und besingt mit klassischer Zerbrechlichkeit die Erfahrungen der letzten Monate.

„Alles, was ich erlebe, fließt durch den Stift aufs Papier. Schlechter Einfluss befreit uns.“

Spätestens wenn Sänger Vincents Stimme im Refrain ertönt, catcht einen der Song und reißt einen mit in ihre Stimmungswelt. „Mach Platz!“ hieß es in letzter Zeit auch für viele andere Bands, denn wenn Provinz neue Songs veröffentlicht, heißt es für andere schnell mal „Chartplatzierung adé“. Oder kennt ihr eine andere Indie (Folk) Band, die einen bereits bei Song Nummer 1 umhaut? We doubt it!

Augen sind rot

Die erste ganz große Liebe, der erste schlimme Liebeskummer, der erste Rausch, der Kater danach, der Alltag zwischen Schule, Sportverein und abhängen mit Freunden: “Augen sind rot” fasst all diese Emotionen zusammen und ist eine Hommage an die Freunde, mit denen man aufwächst.

Man macht eigentlich jeden Tag das Gleiche, man sieht jeden Tag dieselben Leute und lebt in seiner Blase, beschreibt es Vincent. Und man stellt sich die ganze Zeit vor, was außerhalb der Provinz alles abgehen muss, sehnt sich danach, auszubrechen. Ähnliche Emotionen spiegeln sich auch in dem zugehörigen Musikvideo wider.

Diego Maradona

Diego Maradona – kaum eine Figur hat die Geschichte des Weltfußballs geprägt wie der argentinische Superstar. Der Mann ist ein Mythos, und das längst nicht nur wegen der „Hand Gottes“, mit der er bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 ein Tor erzielte und Argentinien schließlich zur Weltmeisterschaft führte.

Diego Maradona, das war stets auch: Exzess und Extreme, von seiner Kokainsucht und dem Hang zur Fettleibigkeit während seiner aktiven Zeit bis hin zu unorthodoxen politische Ansichten und Abermillionen von Steuerschulden in späteren Jahren. Kurzum: Diego Maradona ist das perfekte Sinnbild für Aufstieg und Fall. Nimmt man nun noch die Tatsache hinzu, dass alle Bandmitglieder große Fußballfans sind (die untereinander gern und oft über aktuelle Spiele, Mannschaften und Ligen fachsimpeln), kommt dabei ein mitreißender Song wie „Diego Maradona“ heraus.

Und ich hab' Langeweile, denn hier unten hinter'm Hügel Gibt es meistens nichts zu feiern, also schießt mir in den Kopf. Bin drauf und dran zu fressen, was mir hilft zu vergessen, doch bevor wir uns verlassen, ja.

Provinz

Wenn die Party vorbei ist

Kennt ihr das: man ist auf einer Party, angenehm berauscht und voll in der Magie des Momentes – und plötzlich überkommt einen dieses eigenartig sentimentale Gefühl. Man fragt sich: was mache ich eigentlich hier? Und wer sind all diese Leute um mich herum?

Provinz haben genau dieses Gefühl in ihrer zweiten Single-Auskopplung „Wenn die Party vorbei ist“ verpackt. Es ist der klassische „Gehen, wenn’s am schönsten ist“-Moment. Die meisten trinken noch einen hinterher, bis der berauschte Zustand wieder eintritt, doch nicht Sänger Vincent! Der mag gerade diese Stimmung: „Ich nutze dieses Gefühl manchmal, um kreativ zu sein und die Stimmung aufzunehmen, in der ich mich gerade befinde. Das Phänomen, wenn man während es Rausches auf einer Party sentimental wird und geht, wenn es am schönsten ist, habe ich oft beobachten und auch schon selbst erlebt und es hat mich fasziniert.“

“Wir bauten uns Amerika” - Die komplette Tracklist

Mach Platz!
Tanz für mich
Augen sind rot
Diego Maradona
Du wirst schon sehen
Verlier Dich
Chaos
Wenn die Party vorbei ist
Nur bei Dir
Nur Freunde
Ich baute Dir Amerika

Titelbild Credit: © Provinz