Parcels aus Australien vereinen Soul, Funk und Pop und beeindruckten damit nicht nur Daft Punk

Parcels schufen durch eine Mischung von Soul, Funk und Pop ihren eigenen Musikstil. Direkt nach der High School zogen sie von Australien nach Berlin und konnten dort binnen kürzester Zeit große Erfolge feiern. Unter anderem konnten sie mit Daft Punk und AnnenMayKantereit auch renommierte und bereits etablierte Künstler begeistern. Wie ihnen das gelang, erfährst du im homies: Spotlight!
Parcels

Das Leitmotiv der Parcels: die 70er

Rein optisch betrachtet erinnern die fünf jungen Männer aus Australien an eine Band aus den 70ern. Neben den Frisuren – zum Teil schulterlange Haare, zum Teil Beatles-Frisuren – lässt auch ihr Kleidungsstil darauf anmuten. Und das ist offenkundig beabsichtigt, wie Patrick Hetherington, der Keyboarder und Gitarrist der Parcels, gegenüber The Guardian durchblicken lässt: „Uns interessiert Mode und unser Erscheinungsbild. Es unterliegt definitiv dem Stil der 70er.“ Er beton jedoch auch, dass ihnen die zeitgenössische Musik und Kultur näherstehe als die der 70er. „Wir binden lediglich Dinge aus der Vergangenheit [in unsere Arbeit] ein.“

Musikalisch verbinden Parcels Elemente aus Soul, Funk und Pop zu ihrem eigenen Stil. Zu ihren Einflüssen zählen sie Bands wie Fleetwood Mac, Supertramp und Steely Dan. Dennoch heben sie in Interviews stets hervor, dass sie ihren eigenen Stil verfolgen.

Das namensgebende Lied ihrer zweiten EP „Hideout“ gibt einen guten Einblick in das Schaffen der Band. Anatole Serret ist deren Schlagzeuger, Noah Hill der Bassist, Louis Swain spielt Keyboard sowie auch Patrick Hetherington, der allerdings oftmals auf die Gitarre wechselt. Jules Crommelin spielt Gitarre und zeigt sich für die Lead-Vocals verantwortlich. In den Gesang sind jedoch alle fünf Bandmitglieder eingebunden und erzeugen beeindruckende, mehrstimmige Liedpassagen.

Von der australischen Kleinstadt nach Berlin

Die fünf Jungs lernten sich 2014 in der High School in ihrem Heimatort Byron Bay, Australien, kennen. Sie begannen zusammen Musik zu machen, nachdem jeder zuvor individuell in verschiedenen Musikprojekten von Folk bis Metal mitgewirkt hatte. Unmittelbar nach dem Abschluss der High School beschlossen sie, gemeinsam nach Berlin zu ziehen, um dort ihre Karriere als Musiker voranzutreiben. Sie wohnten anfangs in einer winzigen Wohnung, schliefen unter anderem zu dritt in einem Bett.

Bald spielten sie ihre ersten Konzerte und traten auch auf Festivals auf. Ihre erste EP „Clockscared“ wurde noch selbst produziert und veröffentlicht. Dabei wurde die Arbeit auf dem Computer von Hetherington vollzogen, dessen Leertaste allerdings kaputt war. Somit konnte man zwischen den Wörtern der Songtitel keine Leerzeichen setzen. Die Parcels machten aus der Not eine Tugend, oder genauer gesagt eine Tradition und verzichteten von da an gänzlich auf Leerzeichen in den Titeln ihrer Lieder.

Frankreich als fruchtbarer Boden

Die Konzerte in Frankreich erwiesen sich als Knackpunkt in der Karriere der Australier: man empfohl sich dabei erstmals für ein Label. Bei der Arbeit an der zweiten EP „Hideout“ standen Parcels nun beim renommierten französischen Indie-Label Kitsuné unter Vertrag. Bei einem Auftritt in Paris wurde anschließend niemand Geringeres als das französische Produzenten-Duo Daft Punk auf Parcels aufmerksam. Sie waren derart begeistert, dass sie mit ihnen gemeinsam das Lied „Overnight“ produzierten. Dessen Daft-Punk-Einfluss schlussendlich unverkennbar geworden ist.

Das erste Album als Selbstreflexion

2018 veröffentlichten Parcels ihr erstes Album. Sie benannten es kurz und knapp nach sich selbst. Bei Anbetracht des inhaltlichen Themenschwerpunkts erscheint dies vollkommen sinnvoll und nachvollziehbar. Wie man ihrer eigenen Albumbeschreibung entnehmen kann, „musste es selbst produziert werden und die wahrhaftigste Darstellung“ ihrer selbst sein. Es geht folglich darum, wer die Band – egal, ob als Personen, Musiker oder Gruppe – sein will. Das Herzstück dieser Thematik ist der Song „Bemyself“. Der Titel verrät bereits die Intention des Songs: sich bedingungslos zu sich selbst zu bekennen. „And I know if I’m moving or not, I will be myself“ lautet etwa eine Textzeile.

Um ihn wurde das Album aufgebaut. Titel wie „Tieduprightnow“ oder „Lightenup“ bilden aber mehr als nur eine Umrahmung für ihn. Sie sind musikalisch extrem ausgeklügelt, kein Ton wird dem Zufall überlassen. Die Australier vertrauten dabei auf ihren bisher gewohnten Stil einer Mischung von Soul, Funk und Elektro Pop sowie polyfonen Gesängen. Damit konnten sie letzten Endes zweifellos überzeugen.

Die Band lebt nach wie vor in Berlin, wo man in der Musikszene bereits bestens vernetzt ist. Das beweisen Kollaborationen mit anderen ortsansässigen Bands wie zum Beispiel das gemeinsame Cover von Kylie Minogue’sCan’t Get You Out Of My Head“ mit AnnenMayKantereit. Die Interpretation des Songs findet ihr im homies: Sixtape „6 Features mit Henning May.

Eine Sammlung der Parcels-Musik verpackt in einem Live-Album

Ende April 2020 warteten die Parcels mit einem Live-Studioalbum auf. Das Album mit dem Namen „LIVE VOL. 1“ wurde zur Gänze in den Hansa Studios in Berlin aufgenommen. Es beinhaltet viele ihrer bisherigen Songs, aber auch noch bisher unveröffentlichte Titel wie „Redline“. Geschmückt ist dieser Longplayer mit hübschen, kleinen Zwischenspielen. Laut der Band selbst war dieses Projekt schon lange geplant. Die gesamte Aufnahme wurde auch gefilmt und veröffentlicht:

Die Parcels stehen noch am Beginn ihrer Karriere. Man darf wohl noch einiges von dieser Band erwarten. Gerade Videoaufnahmen wie jene vom zuletzt erschienen Live-Album offenbaren die Leidenschaft, die in der Musik steckt und machen große Lust auf mehr.

Parcels

Genre: Soul, Funk, Elektro-Pop
Mitglieder: Anatole Serret, Louie Swain, Patrick Hetherington, Noah Hill, Jules Crommelin
Herkunft: Byron Bay, Australien
Gründungsjahr: 2014

Titelbild Credit: © Antoine Henault

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