On Bells über seine neue Single „Vibes In The Shower“, DIY, Romantik in der Dusche und Liebe in Zeiten von Corona | homies: Interview

On Bells quatscht mit uns im homies: Interview über seine neue Single "Vibes In The Shower", das Leben als DIY-Artist, Romantik in der Dusche und Liebe in Corona-Zeiten. Tune in!
On Bells Interview

Kürzlich ist deine neue Single „Vibes In The Shower“ erschienen. Man hört eine gewisse Melancholie, bittersüße (Ver-)stimmung und Sehnsucht nach Nähe heraus. Ist “Vibes In The Shower” dein persönlicher Corona-Song?

Ja voll, der ist genau in der Corona-Zeit entstanden, so Ende Februar/Anfang März. Es war so, dass ich mit einer Freundin ausgemacht hab, dass wir uns gegenseitig Songs schicken bis zum nächsten Tag, und das war dann meinerseits „Vibes In The Shower“. Von ihrem Song hab ich dann dieses Sample einer Frauenstimme am Anfang übernommen. Der Song war dann innerhalb von einem Tag zu 80% fertig.

Also eigentlich ist „Vibes In The Shower“ ein Lovesong, oder Sehnsuchtssong, besser gesagt. Es hat da diesen Moment gegeben, und dann sehnt man sich danach zurück, fragt sich, wann sowas wieder passiert. Das war ein Zeitpunkt, wo alles schön war, aber dann war da plötzlich nur mehr Chaos.

Wie hast du die Corona-Zeit sonst als Künstler erlebt, wie hat sie sich auf deine Arbeit ausgewirkt?

Ich wäre eigentlich im März und April für zwei Monate in Shanghai gewesen, als Artist-in-Residence. Das ist dann abgesagt worden, auch eine Ausstellung in Riga und ein Konzert wurden abgesagt. Ein bisschen hat’s mich also betroffen, aber nicht so extrem wie andere Kolleg*innen. Grundsätzlich war die Zeit eigentlich sehr angenehm für mich, weil ich mich einfach mal nur auf eine Sache konzentrieren konnte, ohne Ablenkung. Ich hab dann vier Songs in kürzester Zeit fertig gemacht.

Kannst du näher erklären, wie du zu dem Titel „Vibes In The Shower“ gekommen bist?

„Vibes In The Shower“ ist halb Fiktion und halb autobiographisch. Es geht eigentlich um eine Momentaufnahme, einen romantischen Moment zu zweit in der Dusche, und die Vibes, die dabei halt unweigerlich entstehen. Und dann bezieht sich „Vibes“ natürlich auch auf den Musikstil. Der Song ist ja eigentlich eine langsame Clubnummer, aber man findet auch viele 90er-Hip Hop-Elemente drinnen, wie die Steel Drum im Refrain, oder Referenzen zu Scott Storch, der die ganzen Beyoncé– und Justin Timberlake-Sachen aus den 90ern/00er-Jahren produziert hat. Das hat alles mit Vibes zu tun. „Vibes in the shower“ bezieht sich also auf die musikalische und inhaltliche Ebene des Songs.

Du schreibst und produzierst deine ganze Musik selbst, von deinem Schlafzimmer aus. Siehst du es als Vorteil, sozusagen die „künstlerische Alleinherrschaft“ über deine Musik zu haben?

Ja und nein. Das ist ein schwieriges Thema und ich hab mir schon viel Gedanken darüber gemacht, ob es Sinn macht, alles alleine zu machen oder gewisse Dinge einfach abzugeben. Ich produziere alles selber, spiele alles selber ein und mische und mastere auch alles selber, da stellt sich die Frage, ob es nicht auch einmal cool wäre, einen Produzenten dazu zu holen.

Aber es bekommt halt alles gerade auch einen Charakter dadurch, dass man alles selber macht, es kommt was Eigenständiges dabei heraus. Meine Songs sind eigentlich Popnummern, aber durch meine Art aufzunehmen kriegen sie dann auch einen gewissen Dirt rein. Und das ist eigentlich schon wieder ein Stilmittel. Wenn alles komplett clean aufgenommen wäre, würd’s halt einfach echt klingen wie Justin Timberlake.

DIY ist also dein Zugang zur Musik. Ist es auch dein Zugang zum Leben?

Jein. Da gibt’s eben in der Musik genauso wie in der bildenden Kunst das Problem, dass leider gerade unsere Kunst- und Kulturgesellschaft so aufgebaut ist, dass man zunächst alles selber machen muss, es funktioniert oft gar nicht anders. Man ist ja heutzutage als Künstler oft automatisch seine eigene Publishing-Plattform, sein eigener Social Media-Agent oder Manager, usw.

Auf der einen Seite find‘ ich das ganz gut, weil man dann die Kontrolle über alles hat. Auf der anderen Seite ist es auch immer eine finanzielle Frage, ob man sich jemanden dazu holen kann. Aber dazu muss man natürlich auch die richtigen Leute finden, denen man das Projekt wirklich anvertrauen will. Ich würd jedenfalls gerne irgendwann mal soweit sein, dass ich das Management, etc. einfach komplett abgeben kann, sodass ich mich einfach noch mehr aufs Kreative konzentrieren kann. Momentan muss ich für die Kunst und die Musik noch ungefähr 15 Jobrollen gleichzeitig machen ;).

Eine Kollaboration ist kürzlich mit Titus Probst entstanden, die Single „Wild Love“, mit der ihr auf Anhieb sehr hoch in die FM4-Charts eingestiegen seid. Wie ist diese Zusammenarbeit zu Stande gekommen?

Es ist eigentlich aus einer Freundschaft entstanden. Titus macht ja selbst auch Musik und dann waren wir einfach öfters Bier trinken und haben zusammen Musik gehört. Da kam die Idee auf, dass wir ja ein kleines side project anstarten könnten und vielleicht sogar eine EP machen. Ich hab dann zwei oder drei Songs eingesungen und „Wild Love“ hat einfach auf Anhieb funktioniert. Dann ist es ewig lang herumgelegen, weil wir nicht gewusst haben, ob da jetzt noch eine EP nachkommt, aber wir haben dann einfach gesagt, hey, jetzt hauen wir einfach mal die Single raus.

Alles andere ist momentan noch offen. Wir haben ja auch jeder für sich eine sehr starke eigene Meinung in musikalischer Hinsicht, aber bei „Wild Love“ hat’s einfach super funktioniert, weil der backing track einfach so eine super Elektropopnummer ist und meine Vocals sich da gut einfügen.

Wenn du es dir aussuchen könntest, mit welchem Künstler/welcher Künstlerin würdest du noch gerne eine Kollaboration eingehen?

Es gibt da eine dänische Sängerin, Erika de Casier, die macht auch so Elektropop und Contemporary R&B, die hat eine super Stimme. Auf jeden Fall würd ich gerne mit einer Sängerin kollaborieren. Ich hab da voll Bock drauf, ein Song von mir, „Control“, würd‘ sich dafür super eignen. Ich find‘ Duette halt einfach supercool. „Kerosene!“ von Yves Tumor und „Painkiller“ von Iceage sind da so zwei Referenznummern.

Du bist ja nicht nur Musiker, sondern studierst auch Malerei/Bildhauerei an der Bildenden, hast davor jahrelang in Barcelona Kunst studiert. Beeinflusst bei dir die Malerei die Musik und/oder umgekehrt?

Beides. Es geht einfach um eine Idee, die man hat, also bei mir ist das sehr oft autobiographisch und geht dann ins Abstrakte oder fast ins Poetische, wo halt Fiktion und Autobiographisches verschmelzen und dabei ein Storytelling entsteht. Das ist in meiner Musik und in meinen Installationen ganz ähnlich. Ich vergleich es immer so, dass die Bilder so ein bisschen wie die Musik sind, da geht’s um Abstraktion und Farben und so. Das Figurative in meinen Bildern vergleich ich dann eher mit Gesang oder mit spezifischen Instrumenten. Das Textliche ist dann der narrative Teil, wie es z.B. auch in einer Installation vorkommt.

In beiden Medien bringt man Storytelling rein, man setzt Materialien mit speziellen Eigenschaften bewusst ein. Der Ursprung der Idee ist immer der gleiche, aber das Medium ist das, was sich dann oft erst im Machen herauskristallisiert. Manchmal kommt‘s vor, dass man eine Idee hat und dann versucht man vielleicht einen Song zu schreiben, aber im Endeffekt ist es dann als Bild oder als Installation cooler. Manche Ideen verarbeite ich auch in beiden Kunstformen. Gerade Heartbreak und so ist immer ein Grundthema in meiner Kunst :P.

Dein Sound klingt weitgehend sehr nach 80s, sehr synthie-basiert, Lo-Fi und flächige “Kuschelharmonien“, wie du es einmal benannt hast, gepaart auch mit einigen zeitgenössichen Signifiers. Es schwingt eine gewisse Nostalgie mit. Würdest du dich als nostalgischen Menschen bezeichnen?

Teils teils. Ich kann schon nostalgisch sein, aber Heimweh z.B., das kenn ich fast gar nicht, weil ich schon immer sehr im Moment lebe. Mir hat’s bis jetzt auch in jeder Stadt, in der ich gelebt hab‘, sehr getaugt. Aber natürlich erinnere ich mich dann auch gerne, bin dann schon gern nostalgisch und denk dran, wie es früher war. Bei der Musik ist es so, dass ich mich in Bezug auf Beats momentan stark an Trap und 90er-JahreHip Hop orientiere, wo einfach der Beat extrem im Vordergrund steht. Und das 80s-Ding in meiner Musik stammt teilweise auch von ambient music ab, das sind dann diese warmen Sounds und Synth-Flächen, die einen so einbetten und wo im Hintergrund einfach viel atmosphärisch passiert. Das versuche ich zu vereinen.

Was sind deine Pläne für die unmittelbare musikalische Zukunft?

Ich arbeite gerade an einem Album, das im Herbst rauskommt. Einen fixen Termin gibt’s noch nicht, aber es wird wohl Ende November werden. Jetzt ist erst mal der Plan, dass ich meine neuen Songs fürs Album ausproduziere und alle Demos, die so herumliegen, nach und nach abarbeite. Aber es wird auch immer wieder noch kreative Entscheidungen zu treffen geben. Gleichzeitig schauen wir gerade, wie’s mit Konzerten ausschaut.

Ein Konzert steht schon fest, am 24.06. spiele ich im fluc, ein bestuhltes Konzert mit limitierten Plätzen. Tickets kann man nur online über diesen Link kaufen. Mit meinem Booker schau ich jetzt gerade wegen weiteren Konzerten für Herbst und Winter, aber das ist alles noch ein bisschen abstrakt. Ich freu mich auf jeden Fall schon auf den Herbst und das neue Album, wenn ich dann Konzerte mit neuem Material spielen kann.

Ich bin ON BELLS und ich…

kann einen Kopfstand.
bin Tierliebhaber.
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..habe Corona.
spiele on bells.
will Liebe.

Titelbild Credit: © Fabian Zerche