Oehl – Über Nacht | Album Release

Oehl veröffentlichen ihr Debütalbum "Über Nacht". Warum Musiker wie Herbert Grönemeyer, Casper und Fettes Brot zum Fanclub der Band zählen? Hört rein!
Über Nacht Oehl

Oehl – das sind der Wiener Liedermacher Ari Oehl und der isländische Multiinstrumentalist Hjörtur Hjörleifsson, das sind deutschsprachige Texte in ungewohnt dichter Atmosphäre, das ist die Band, die sich hin und wieder zeilenweise und entfremdet zitierend, mit Altbekanntem auseinandersetzt.

Wo Melancholie auf Leichtigkeit trifft, darf geschwelgt und getanzt werden, denn Oehl lebt sich inhaltlich wie musikalisch in Übergängen, in Zuständen des Dazwischenseins aus – Es ist Musik für die Morgendämmerung und Abendeinkehr, für die unklar verlaufenden Grenzen von Frühling und Herbst, für den seltsamen Zustand, der sich zwischen dem eigenen Wachen, Schlafen und Träumen aufspannt.

Wiener Eleganz trifft Islands Traumwelten

Im Dunklen zwischen den Tagen liegt etwas in der Luft. Es mag dieser Sanftmut sein, wie er auf unseren Gesichtern wohnt, wenn wir schlafen. Die zartbitteren Melodien. Oder doch die tanzbare Leichtigkeit. Was es auch ist, fest steht: Über Nacht ist leicht zu lieben. Und Oehl wissen, was sie tun.

Es ist deutschsprachiger Pop in einer neuen Qualität, den die beiden da entwerfen. Ziemlich trockene Beats, feinste Bass-Riffs und dreamy Synth-Zauber: Das reicht hier schon ganz oft, das ist die Grundlage, auf der Ariel Oehl uns seine poetischen Miniaturen darbietet – immer ein wenig melancholisch, immer mit einem Zauber in der Stimme. Eh klar, ein Wiener halt. Der aber aufgefangen wird von Hjörleifsson, nimmermüde, dauerkreativ.

„Eigenständig, klug und künstlerisch besonders“, nennt Herbert Grönemeyer seine Label-Schützlinge. Und wir sagen dazu: Diese Musik nimmt dich mit, hüllt dich ein, ist voller Reiz. Oehl machen Musik, die so neu klingt und gleichzeitig intim. Sie passt auf die Tanzfläche („Keramik“, „Wolken“) ebenso wie auf einen Herbstspaziergang („Tausend Formen“) und ins Bett („Neue Wildnis“). Es ist Pop, der sich speist aus Kunst und Literatur.

Und nein, verhandelt wird hier nicht nur die Liebe, es geht um den Zauber des Vater-Seins (wieder, geschrieben für Sohn Elon: „Keramik“), um die Trauer („Über Nacht“), um Politik („Anlegen“).

Eigentlich also um den großen, ganzen Sinn und die Suche danach. Es ist Musik, die das Graue kennt, die zwischen Hell und Dunkel daheim ist, in der Zeit zwischen den Tagen und uns damit wieder einmal beweist, dass das Leben eben vor allem aus Zwischentönen besteht.

Oehl machen ernsthafte Musik mit großer Leichtigkeit. Wie gut das tut.

Über Wolken - Tracklist

1. Bisher
2. Keramik
3. Fluchtpunkte
4. Tausend Formen
5. Wolken
6. Himmel
7. Anlegen
8. Über Nacht
9. Neue Wildnis
10. Instrument
11. Trabant

Titelbild Credit: ©Alexander Gotter