new homies: Siamese Elephants – Wiener Band mit Reibeisenstimme und Indie Gitarrenriffs

homies: stellen euch die Indie-Band Siamese Elephants aus Wien vor. Was ein 200€ T-Shirt & ein imaginärer Bandkollege mit ihnen zu tun haben, dass erfahrt ihr im new homies: Interview.
Siamese Elephants

Siamese Elephants

Mitglieder: Areg, Omar, Alex, Markus
Wohnort/Herkunft: Wien
Gründungsjahr: 2014
Genre: Indie Rock, Indie Pop

Wir basteln Ohrwürmer aus dem Cocktail von Indie Pop, Disco, Funk und Garage Rock. Wir versuchen darin ziemlich viele Genres abzudecken, solange kurzweilige Melodien vorhanden sind. Dabei hört man trotzdem stets raus, dass wir eine Gitarrenband sind.

Siamese Elephants

Euer Weg zur Musik?
Wir denken, es sind vier unterschiedliche Wege, die sich letztendlich durch Zufall gekreuzt haben. Wir machen alle schon seit unserer Kindheit Musik und bringen unterschiedliche Einflüsse mit.
Alex und Markus haben schon als 13-Jährige gemeinsam Guns N‘ Roses gecovert. Areg wurde die Gitarre von seinem Vater, einem klassischen Gitarristen, wortwörtlich in die Wiege gelegt. Er wuchs außerdem mit viel armenischer Musik auf. Und Omar kommt aus Kairo, einer Stadt mit einer sehr lebendigen Musikszene, wo er schon in einigen Bands spielte bevor er nach Österreich kam.

Wer oder was inspiriert euch am meisten?
Ist es zu kitschig, wenn wir sagen: wir uns gegenseitig?

Euer schlechtester Witz, den nie jemand versteht?
Wir haben vor Jahren einen imaginären Bandkollegen namens Johnny erfunden. Wir beschuldigen ihn immer, wenn jemand einen Fehler macht. Bis jetzt fanden es nur wir selbst lustig.

Diese 3 Songs laufen aktuell bei euch rauf und runter:
Car Seat Headrest – Can’t cool me down
Plini – Selenium Forest
Parcels – IknowhowIfeel

Was war euer erstes Album, dass ihr euch selber gekauft habt?
Beim Alex war‘s Green Day, vermutlich American Idiot. Areg kann sich noch sehr gut daran erinnern: Dead Silence von Billy Talent. Bei Markus war‘s entweder auch American Idiot oder Electric Ladyland von Jimi Hendrix. Omars erstes Album war das D12 World Mixtape.

Euer teuerstes Kleidungsstück? (200€ T-Shirt?)
Eigentlich ist unser Garderobenschrank ganz bescheiden. Unser Budget reicht für Second-Hand-Shops oder den Ausverkauf. Das 200€ T-Shirt wird man wohl bei uns nicht finden. In „Few Problems“ ist es eine Anspielung auf teure Designerklamotten. Die Inspiration für diese Line kam von Markus‘ Schwester, die sich auf einem Flohmarkt ein einfärbiges T-Shirt um 10 Euro kaufte und im Nachhinein herausfand, dass es sich um ein 200 Euro-Designerstück handelte.

Wie sieht der Entstehungsprozess eurer Songs aus?
Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal kommt Alex mit einer Gesangsmelodie, manchmal Areg mit einem Gitarrenriff oder Omar mit einer Bassline zur Probe, dann wirft jeder etwas dazu und ein Song kommt dabei heraus. Oftmals wird auch herumgejammt und plötzlich entsteht etwas unerwartet Gutes. Die meisten Songs entstehen im Zusammenklang. Die Texte schreiben dann meist Alex und Markus.

Eure Texte sind alle auf Englisch. War das von Anfang an das Konzept von Siamese Elephants oder warum habt ihr euch als österreichische Band dazu entschieden?
Eigentlich haben wir alle vorwiegend immer englischsprachige Musik gehört und sind mit dieser auch zuhause aufgewachsen. Es hat sich also von Anfang an natürlich angefühlt auf Englisch zu singen und das klingt bei Alex auch viel besser. Man möchte ihn lieber nicht Deutsch singen hören.

Unser musikalischer Traum ist…
… dass es eines Tages ein Musical gibt, das unsere Greatest Hits mit einer romantischen Liebesgeschichte verknüpft.
Na, um ehrlich zu sein ist unser größter Wunsch, dass wir unsere kreative Freiheit immer bewahren können und dabei finanziell unabhängig und sorgenfrei sind.

Mit diesen Künstlern würden wir gerne mal zusammenarbeiten.
Im ersten Moment fallen uns da nur tote Künstler ein: Prince und David Bowie zum Beispiel. Ein Traum wäre es aber auch mit Parcels zu jammen oder sich mit Metronomy für eine Woche im Studio einzusperren. Außerdem wäre es spannend, etwas Ähnliches wie „Stargirl Interlude“ von The Weeknd mit Lana Del Rey zu machen.

Woher kommen die Reibeisenstimme & die Indie Gitarrenriffs, die man sonst nur von Bands wie den Mighty Oaks oder Giant Rooks kennt?

Den Vergleich sehen wir als riesengroßes Kompliment, dafür ein großes Dankeschön.
Wo Aregs Riffs herkommen versteht er oft selber nicht. Er hört noch nicht allzu lange Musik, die man als typischen Indie-Rock oder Indie-Pop bezeichnen könnte. Diese strikte Genreunterscheidung zwischen Indie und Mainstream wird für uns aber sowieso immer unwichtiger. Die Rolle, welche die Gitarre bei uns einnimmt, ist von klassischen Rockbands genauso beeinflusst wie von Funk, Disco und armenischer Volksmusik.
Alex‘ Stimme ist eigentlich relativ spät zum Vorschein gekommen, zu Schulbandzeiten hat man sogar überlegt den Gesang mit jemand Anderem zu besetzen. Der Stimmbruch war dann aber auch irgendwann vorbei und es stellte sich heraus, dass Alex‘ Stimme doch etwas Besonderes hat. Und das auch ohne Zigaretten zu rauchen. Ob man diese aber wirklich mit Frederiks Stimme vergleichen kann, bezweifelt unser Sänger selbst. Das coole an Alex‘ Stimme ist, dass sie doch einzigartig und wiedererkennbar ist.

Auf welchen Festivals möchtet ihr unbedingt noch spielen?
Glastonbury oder Reading wäre wahnsinnig cool, da das britische Publikum echt weiß, wie gute Stimmung bei Konzerten geht. Das Primavera in Barcelona wäre schon wegen der Stadt ein Traumfestival zu bespielen. Das Global Citizen Festival im New Yorker Central Park wäre wegen der Stadtkulisse, die sich hinter dem Publikum erstreckt ein Erlebnis wert.
Da wir aber noch nicht einmal auf österreichischen Festivals auftreten konnten, würden wir eigentlich noch alles gerne spielen. Da freuen wir uns genauso über‘s Freakout in Wolkersdorf, sowie über‘s FM4 Frequency Festival.

Welche Rolle spielt Social Media in eurem Leben & wie seit ihr auf das „Ver-Memen eures Social Media Auftritts gekommen“?
Eigentlich sind wir ziemliche Social-Media-Muffel, vor allem was das regelmäßige Updaten angeht. Das machen viele Bands ausführlicher und wesentlich besser.
Social Media ist für uns trotzdem ein faszinierendes Thema, weil man sich online oft ganz anders verhält, als man es sonst tun würde. Wir beschäftigen uns in einigen neuen Songs mit unterschiedlichen sozialen Phänomenen und da bietet Social Media einiges an Inspiration.
Die Meme-Idee ist uns gekommen während wir das Musikvideo zu Few Problems gedreht haben. Wir nehmen uns darin nicht besonders ernst und es kam zu einigen Situationen, die gut ins Meme-Schema passen. Außerdem mussten wir wegen Corona ein Fotoshooting absagen und ohne die geplanten neuen Bandfotos haben wir eben ein bisschen improvisiert.

Eure aktuelle Meinung zur heimischen Musikszene und welche Bands feiert ihr privat?
Die Wiener Musikszene ist recht klein. Irgendwie kennt gerade im Independent dann doch jeder jeden. Es gibt mittlerweile sehr viel coole Clubs, die gute Bühnen mit gutem Sound besitzen. Vor allem am „Gürtel“ entlang befinden sich in den alten Stadtbahnbögen Lokale, die schon Legendenstatus besitzen. Die Acts sind hier sehr vielseitig und es gibt vieles zu entdecken, vor allem wieder gute Gitarrenbands, wie Good Wilson oder My Ugly Clementine. Andere österreichische Acts, die wir so feiern sind Origami Punani, die machen eine Mischung aus Jazz und Hip Hop; Mynth, vor allem die letzte Single und einen Geheimtipp: Painting Clouds. Die haben eigentlich noch nicht viel draußen, machen aber echt gute Musik, wo man nur gespannt sein kann, was noch kommt. Internationale Acts, die wir momentan feiern, sind Parcels und Metronomy, vor allem das aktuelle Album.

Welches Lied wäre euer Einzugslied zu einem Boxkampf?
Public Enemy’s Harder Than You Think. Falls es sich um den emotionalen letzten Kampf der Karriere handeln würde, dann wohl You’ll Never Walk Alone. Ein bisschen sentimental kann man doch auch beim Boxen sein, oder?

Few Problems

Dancing in the City

About Astronauts

Ihr klingt so, als hätte Josh Homme Metronomy produziert!

Mario Fartacek

Titelbild Credit: © Jonathan Panhofer