Mynth über Casablanca, ihre Kindheit und neue Releases | homies: Interview

Mynth - das Elektro Pop-Duo aus Salzburg im homies: Interview über Casablanca, ihre Kindheit und neue Releases.
Mynth Interview

Eure musikalische Story fing mit der Band Deadnote.Danse an. Wann habt ihr den Entschluss gefasst, etwas Neues gründen zu wollen und wie unterscheidet sich Mynth von Deadnote.Danse?

Deadnote.Danse war unser erstes gemeinsames Bandprojekt. Davor hatten wir jeweils andere Bandprojekte. Bei Deadnote.Danse haben wir erstmals als Geschwister in einer Band zusammengearbeitet und auch schon mit elektronischen Elementen zu spielen begonnen.

Aufgrund meines Auslandssemesters in Norwegen haben Mario und ich dann beschlossen dieses Projekt erstmal auf Eis zu legen. Die Distanz zwischen uns und auch die Stimmung in Norwegen hat es uns erlaubt kreativ zu sein und so wurde MYNTH geboren, ohne, dass wir wussten, wohin wir damit gehen wollen.

Die Songs sind relativ schnell und ohne Nachdenken entstanden, es war ein sehr schöner Prozess und Mario und ich waren uns trotz der weit entfernten Wohnorte sehr nahe. Wir mussten nicht viel reden. Mynth ist weitaus elektronischer als Deadnote.Danse und ein Stück weit erwachsener.

Im Video zum Song „Casablanca“ sieht man Bilder aus eurer Kindheit. Wie sehr hat das Aufwachsen als Zwillinge euch und eure Musik geprägt und wie war das damals mit dem Kiddy Contest?

Unsere Zwillingsgeschichte und Verbundenheit ist natürlich die Basis von Mynth, aber auch der Weg den jeder für sich als Musiker bzw. Musikerin geht, ist prägend und wegweisend für unsere Musik.

In Casablanca blicken wir auf eine sehr schöne Kindheit zurück. Und ja das mit dem Kiddy Contest hab ich mir damals in den Kopf gesetzt und den Mario quasi gezwungen das mit mir durchzuziehen. Das Bewerbungsvideo ist Gold wert, leider haben wir es nicht in die Show geschafft.

Wer oder was ist eure musikalische Inspiration?

Wir lassen uns immer sehr stark von unserem Gefühl leiten. Leider neigt man im Laufe des Songwritingprozesses oft dazu, alles zu zerdenken, das nimmt einem die Leichtigkeit.

Wir hören beide viel verschiedene Musik, da inspiriert natürlich so einiges. Meistens sind die Zeiten, wo wir beide komplett voll sind mit Arbeit und Stress, die Zeiten, wo wir am besten Schreiben können.

Was war zuerst da, die Melodie oder der Text und wie kann man sich euer Songwriting vorstellen?

Ich schreibe eigentlich immer zuerst die Gesangsline und dann kommen schon die ersten Wortfetzen bzw. ein Thema oder Gefühl in mir hoch und dann greift das eine in das andere.

Grundsätzlich beginnt einer von uns mit einer Grundidee oder einem Sample, wir schicken uns diese Ideen immer und dann arbeitet der andere an der Idee weiter. Es ist wie ein Puzzle und dann sitzen wir auch oft im Studio und produzieren gemeinsam.

Es ist ein sehr komplexer Prozess, wo wir auch oft wieder ganz von vorne beginnen oder es von jedem Song ca. 38 Versionen gibt, nur damit wir letztendlich wieder auf die Anfangsversionen zurückgreifen. Dieser Prozess ist wichtig und hat sich bisher immer gut angefühlt.

Mario, du bist Co-Founder von Assim Records, bist bei Good Wilson und Mynth aktiv und hast ansonsten sicher noch weitere Projekte als Producer und Musiker am Start. Wie kriegst du das alles unter einen Hut und was ist dein Geheimnis?

Ich denke, wenn man sich das Ziel setzt, nur diejenigen Projekte zu machen, die einen voll und ganz erfüllen und Spaß machen, können das ruhig auch mehrere sein, da einem jedes Projekt viel Kraft zurückgibt.

Wir sind beide vielseitige Menschen und daher ist es uns auch beiden wichtig, neben Mynth auch noch andere Projekt zu verfolgen. Auch Giovanna kollaboriert viel mit anderen Künstlern und Künstlerinnen.

Eure letzte EP „Echo“ ist im Februar 2018 erschienen. Seit dem habt ihr euch etwas zurückgezogen aus der Social Media Welt. Was habt ihr in der Zwischenzeit getrieben?

Wir schreiben eigentlich immer weiter und so haben wir das auch nach dem Release der „Echo„-EP gemacht. Es gibt Phasen, da kommen die musikalischen Ideen schneller und manchmal muss man sich eben auch einfach Zeit zum Nachdenken geben.

Die neuen Songs sind eigentlich alle gleich mal entstanden, wir haben sie aber dann bewusst noch ruhen lassen und nach unserem „Releasemarathon“ entschieden, uns für das Dritte Album bewusst noch Zeit zu geben.

Casablanca spielt auf eine neue Richtung an, grundsätzlich soll dieser Song aber für sich stehen, weil er eine sehr große Bedeutung für uns hat und einen Stellenwert, den man nicht mit anderen Songs vergleichen kann.

Casablanca – nicht der Name der Stadt oder des Filmes, sondern die Lieblings-Zigarettenmarke eurer Großmutter – ist euer vermutlich bislang persönlichster Song. Im Video blickt ihr auch immer wieder zurück in die Vergangenheit und auf eure Kindheit – wie kam es zu diesem intimen Song und was bedeutet er euch beiden?

Ja, Casablanca ist ein Song für unsere verstorbene Großmutter. Das klingt immer so traurig und der Verlust war auch unendlich schmerzhaft, dennoch lebt sie weiter, nämlich in Form von einem Lebensgefühl und in all den schönen Erinnerungen, an die Zeit, die wir mit ihr und unserer Familie hatten.

Manchmal wünsche ich mir, dass ich das Leben auch so bestreiten kann, wie sie es gemacht hat. Sie hat sehr im Moment gelebt, sie war eine italienische Dame mit roten Fingernägeln, früher eben noch einer Zigarette in der Hand und immer mit einem Glas Rotwein. Sie hat gelebt und war bis zum Schluss eine Kämpferin.

Im Abspann des Videos zu „Casablanca“ sieht man rechts unten das Datum „20.06.1995“ – was geschah an diesem Tag?

Das wissen wir nicht mehr genau, es war wahrscheinlich ein Tag wo unser Papa wieder mit der Filmkamera spielte und versucht hat Momente einzufangen. Wir sind froh, dass er das damals gemacht hat, denn so leben diese Erinnerungen auch so weiter.

2015: „Polar Nights“, 2016: „Plaat II“, 2017: „Parallels“, 2018 „Echo“ – was steht als Nächstes bei euch an?

2020 wird es wieder etwas von uns geben und wir können es kaum erwarten.

Wir sind Mynth und wir…
können es kaum mehr erwarten, neue Songs zu releasen.
sind assim.
haben große Freude daran unterschiedliche Soundwelten auszuforschen.
spielen 2020 wieder viele Konzerte.
wollen Menschen mit unserer Musik berühren.

Titelbild Credit: ©Kerstin Musl