Mit dem Album „Somewhere Down the Line“ legt die österreichische Indie Pop Band Catastrophe & Cure ein Heilmittel für unsichere Zeiten vor – Hauptzutat: New Wave

Auf „Somewhere Down the Line” fokussiert sich die österreichische Indie Pop Band Catastrophe & Cure auf gitarrenlastiges Songwriting. E-Gitarren mischen sich mit gefühlvoll eingesetzten Synthies und melancholischem Gesang. Das Album überzeugt mit diesem Stil, aber auch mit der im Album enthaltenden musikalischen wie textuellen Tiefe.
Catastrophe & Cure - Somewhere Down the Line

Mit dem Album „Somewhere Down the Line” meldet sich die österreichische Indie Rock Band Catastrophe & Cure erstmals seit 2017 wieder mit neuer Musik zurück. Es ist der dritte Longplayer neben zwei EPs „Somewhere in Between“ und „Blank Spots“ der in Steyr, Oberösterreich gegründeten Band. Das nunmehrige Quintett – Bassist Patrick Steinhuber verließ die Band im Winter 2019 nach über 10 Jahren – besteht aus Johannes Eder, Lukas Kargl, Sebastian Kargl, Maximilian Atteneder sowie Raphael Rameis.

Mit dem Debüt Album „Like Crazy Doves“ konnten sie 2012 den FM4 Amadeus Award gewinnen und auch das zweite, 2015 erschienene Album „Undeniable/Irresistible“ konnte die österreichische Musiklandschaft begeistern. Der Hang zu den Gitarren war bereits auf den beiden Vorgängern zu erkennen. Allerdings gab es auf ihnen viel Raum für Instrumente wie zum Beispiel die Ukulele und das Cello, aber auch elektronische Einlfüsse.

Gitarrenlastiger Sound im Stile des New Wave als Kern des Albums

Bei „Somewhere Down the Line“ legt die Band um Frontmann Johannes Eder den Fokus allerdings gänzlich auf die Gitarren. Die Songs des vollständig selbst produzierten Albums erinnern stark an die New Wave Bewegung der 80er. Die Vorveröffentlichungen „Somewhere Down the Line“ und „Another Wave“ ließen rasch erkennen, welche Richtung das Album einschlägt.

Markante Basslines, eingängige Gitarrenmelodien und ein treibendes Schlagzeug bilden die Grundbausteine dieser Lieder von Catastrophe & Cure. Die Einsätze der Synthesizer sind durchdacht gewählt und ausgeklügelt. Sie klingen vor allem bei den gitarrenlastigen Songs gezielt leise und dezent. Das hört man neben den beiden oben genannten Titeln vor allem bei den Songs „What’s Your Sin“, „Hearts of Glass“ und „Seven Nights a Week“.

Dennoch erhält man den Eindruck, dass kein Ton der Synthies dem Zufall überlassen ist. Das kommt besonders bei dem Titel „Clock“ zur Geltung. Dieser ist der elektronischste Track des Albums. Er handelt vom Wettlauf mit der Zeit im Alltag, der bekanntlich schwer zu gewinnen ist.

Fokus auf Songwriting

Das Songwriting steht bei diesem Album stark im Mittelpunkt. Das merkt man zusätzlich zum musikalischen Feinschliff auch an den Texten der Lieder. Sie enthalten einen bemerkenswerten lyrischen Tiefgang. In „What’s Your Sin“ geht es beispielsweise um die Beziehung zweier Menschen, die an der Unfähigkeit Konflikte zu lösen und Verhaltensmuster zu ändern, zu scheitern droht. „Everything will stay the same and I know who takes the blame”, lautet es dabei im Refrain.

Auch in “Hearts of Glass” geht es um zwei Menschen, die die traute Zweisamkeit genießen wollen. Doch diese wird durch die Gegenwart anderer gestört, und ihre „Glasherzen“ laufen Gefahr, durch diese Störung zu zerbrechen

Seven Nights a Week“ erzählt eine mysteriöse Geschichte über nächtliche Ausflüge mit geheimen Machenschaften, die für den Erzähler der Geschichte die Flucht zur Folge haben. Dieser Text lässt viel Raum für Spekulationen.

Dream Pop-artige instrumentelle Stücke bereichern das Album

Der musikalische Tiefgang lässt ebenfalls nicht zu wünschen übrig. Das Album ist mit zwei rein instrumentalen Liedern geschmückt: ein Zwischenspiel („Interlude“) sowie „Distant Siren“. Das Zwischenspiel setzt einzig und allein auf Dream Pop ähnliche Synthesizer. Es versetzt den Hörer in ein tranceartiges Gefühl. „Distant Siren“ ist ein Stück, indem sowohl Bass und Gitarre als auch die Synthesizer eingesetzt werden. Das Schlagzeug zeichnet sich durch treibenden und ausdrucksstarken Einsatz aus. Die Synthesizer starten anfangs monoton und wandeln sich klanglich steigend bis zum Schluss zu den namensgebenden fernen Sirenen

Das Album überzeugt als Gesamtpaket. Es orientiert sich zwar am Stil des New Wave, bietet aber weit mehr als das. Es bleibt dem bisher gewohnten ruhigen, melodischen und melancholischem Charakter der Band treu. Dabei ist es detailliert ausgearbeitet und vielschichtig. Vielerorts wurden die ersten beiden Alben als „minimalistisch fein“ beurteilt – das kann man von „Somewhere Down the Line“ nicht behaupten.  

Titelbild Credit: © Dominik Pandelidis