Mavi Phoenix über sein Debütalbum „Boys Toys“, Geschlechterklischees und ein Album-Release in Corona-Zeiten | homies: Interview

Für Mavi Phoenix hat sich in letzter Zeit einiges verändert, denn vergangenes Jahr outete sich der Linzer Rapper als Trans-Mann. Seine Geschichte verarbeitet er in seinem vor kurzem erschienenen Debütalbum "Boys Toys". Wir sprechen mit Mavi über sein Album, seine Einflüsse und Geschichten, Kindheitserinnerungen, Geschlechterklischees, die Bedeutung von Umweltschutz und über den Ablauf eines Album-Releases in Zeiten von Corona. Tune in!
Mavi Phoenix Interview

Hi Mavi, erstmal Danke dir für das Interview! Auf dein erstes Album mussten Fans ja ziemlich lange warten. Mit „Boys Toys“ ist jetzt nicht nur eine bloße Aneinanderreihung von Hits veröffentlicht worden (auch wenn definitiv einige dabei sind), sondern ein Konzeptalbum, das eine Geschichte erzählt. Warum war dieser Zeitpunkt der richtige und wie kam es zum Konzept-Debütalbum?

Es hat auf jeden Fall diese Auseinandersetzung mit mir selbst gebraucht, bis sich in eine Album-Produktion gehen gut angefühlt hat. Ich hab mich letztes Jahr öffentlich als Trans-Mann geoutet und danach standen mir kreativ gefühlt wieder alle Türen offen. Ich hab gespürt, dass ich eigentlich mehr Album Künstler bin, als ich es selber dachte und fand es spannend mein Debütalbum in so einer, für mich krassen Phase zu schreiben.

Dein Alter Ego „Boys Toys“ führt in gewisser Weise durch das ganze Album. Wie ist er entstanden und in welcher Beziehung steht ihr zueinander?

Bei Boys Toys war so die Idee, dass er Mavi Phoenix als 10 jähriger Bursch ist. Ich hatte das Gefühl, dass ich für die Album Produktion noch eine Persona erschaffen sollte. Boys Toys führt durchs Album mit seiner hoch gepitchten Stimme und ist Hypeman aber teilweise auch so die „Stimme der Vernunft“.

Im Album sprichst du viele unterschiedliche Männlichkeitsstereotype an – den Fuckboy („Strawberries“), den Raufbold („Choose Your Fighter“), den liebenden Familienvater („Family“). Hast du das Gefühl dich in diesen Stereotypen wiederfinden zu müssen?

Ich habe meine ganzes Leben, bis ich 23 war, als Frau gelebt, obwohl ich es nicht gefühlt habe. Klar kam ich da zu einem Punkt wo ich mich selber mal einordnen musste, was für ein Mann ich überhaupt sein will und ob ich das überhaupt will. Es gibt ja für beide Geschlechter unerfüllbare Rollenklischees. Auf dem Album hab ich mal alle Möglichkeiten ausgelotet und auch verschiedenste Facetten an mir aufgezeigt, die man vielleicht bis dato nicht kannte.

„Boys Toys“ ist auch musikalisch sehr divers, weicht mit Songs wie „Choose Your Fighter“ teilweise stark von früheren Songs von dir ab. Hast du dich dieses Mal von anderen Stilrichtungen inspirieren lassen oder hören wir auf dem Album „einfach nur das, worauf Mavi Bock hat“?

Ich glaube ich hatte diese punkige rockige Seite immer schon in mir und hab das vielleicht das erste Mal so richtig zugelassen einfach. Obendrein habe ich auch mit neuen Produzenten gearbeitet, die dann auch wieder auf mich abfärben und andersrum. Die Entscheidung ein bisschen von Null anzufangen und meine künstlerische und musikalische Diversität zu zeigen, habe ich aber schon auch bewusst gefällt.

In einem Interview sagtest du einmal, „Boys Toys“ würde auch an das Gefühl erinnern, als Kind nicht mit den Jungenspielzeugen spielen zu dürfen, weil es sich eben nicht gehörte. Was war früher dein Lieblingsspielzeug?

Ich hab am liebsten mit Lego gespielt. Es klingt doof von Jungen und Mädchen Spielzeug zu reden, ich hasse diese Klischees. Ich habs halt als kleines Kind aber gemerkt, was von mir erwartet wird, mit was ich spiele. Da hatte ich bestimmt auch einen stärkeren Drang als andere Kinder mich einordnen zu wollen, weil ich eben gemerkt habe, dass ich anders bin.

Im Song „Family“ singst du davon, deine Freundin wolle wegen der Klimakrise keine Kinder bekommen. Hast du mit diesem Satz bewusst noch eine zweite Ebene in den Song mit eingebaut? Was hältst du von Bewegungen wie Fridays For Future?

Mehr unbewusst als bewusst, mir sind Themen wie Klimawandel und Umweltschutz auf jeden Fall sehr wichtig. Bei dem Song fand ich einfach die Aussagen unserer Generation so interessant, weil ich einige Leute in meinem Umfeld reden gehört habe, dass sie in diese Welt ohne Zukunft keine Kinder setzen wollen. Ganz wertfrei gesagt finde ich das einfach spannend.

Das Album ist generell sehr privat geworden – gibt es einen Song auf dem Album, der dir besonders wichtig ist? Falls ja, warum? 😉

Jeder Song ist mir tatsächlich sehr wichtig. Ich glaube am persönlichsten sind bestimmt „12 Inches“ und „Family„.

Mavi damals noch als eine der wenigen erfolgreichen Frauen im Rap, Mavi als einer der wenigen öffentlichen Trans-Männer in der Szene – Es scheint als würdest du immer in eine gewisse Vorbildrolle gedrängt. Stört das mit der Zeit oder siehst du sich selbst in einer Vorreiterrolle?

Klar fühlt es sich nicht komplett richtig an, deswegen beteure ich auf „12 Inches“ ja auch so oft dass ich nur ein „average guy“ bin. Weil ich halt merke, dass Menschen Erwartungen an mich haben, die ich vielleicht nicht erfüllen kann.

Ich spreche gerne über meine Erfahrungen und hab das Album auch so persönlich gestaltet, weil ich Repräsentation eines der wichtigsten Dinge überhaupt finde. Ich bin aber in erster Linie Künstler und kein Aktivist.

Dein Album ist mitten in Zeiten der Corona-Isolation veröffentlicht worden. Wie hat sich der Release dadurch für dich angefühlt? Wie hast du ihn erlebt?

War natürlich nicht mein Traumszenario für meinen Debütalbum Release, ich glaube im Endeffekt war es aber perfekt, so wie es war. Trotz dem Zuhause sitzen und lauter Skype- und Telefoninterviews führen und Tour verschieben müssen etc. Das Ding musste einfach raus und ich habe wahnsinnig schöne Reaktionen bekommen.

Während viele Songs gemeinsam mit deinem Produzenten Alex The Flipper entstanden sind, hast du an einigen Songs auch in LA mit dort ansässigen Produzenten gearbeitet. Wie kam es zur Kooperation und was hast du aus der Zeit mitgenommen?

Alex und ich arbeiten ja jetzt schon jahrelang zusammen und das sehr gut. Er ist mein bester Freund und ein toller Produzent. Wir sind gemeinsam nach L.A. gereist um Mucke zu machen und uns in Sessions mit anderen zu setzen. Das war auch nicht das erste Mal.

Dieses Mal war es so schön weil wir wussten, dass wir Songs fürs Album suchen und genau gewusst haben was wir wollen. Auf dem Album sind jetzt Songs mit NVDES und Yakob oben, die beide in L.A. ansässig sind und der Platte nochmal ihren eigenen Spin gegeben haben.

Die Coverart von „Boys Toys“ erinnert sehr an den 90er oder 2000er Skater Boy. Ist das ein Stil der dich generell inspiriert oder anspricht?

Ich glaube schon ja. Ich bin mit Serien wie „Malcolm Mittendrin“, „OC California“ etc. aufgewachsen. Die Jungs fand ich immer sehr cool.

Du verzeichnest auch international immer größere Erfolge. Dein Song „Aventura“ wurde in Spanien beispielsweise zum wahren Hit. Könntest du dir vorstellen aus Österreich wegzuziehen und gibt es Dinge, die du dir von der österreichischen Musikszene noch wünschen würdest?

Oh ja, ich glaube stark daran, dass ich mal eine Zeit lang wo anders leben werde. Ich denke, dass brauch ich auch um als Musiker und Mensch zu wachsen. Wohin, weiß ich aber noch nicht.


Die Musikszene hier ist cool, es gibt sehr viele neue Artists die wirklich richtig gut sind. Ich glaube die nächsten Jahre werden sehr spannend werden.

Ich bin Mavi Phoenix und ich
kann richtig gut Tetris spielen.
bin ein bisserl nervig ab und zu.
habe große Ziele, würde ich meinen.
spiele GTA Online. Addet mich auf PSN, mein Name ist Mavizzle040.
will endlich wieder touren!!!

Titelbild Credit: © Louis Browne