Mavi Phoenix – Der Rapper aus Linz veröffentlicht sein Debütalbum „Boys Toys“ mit Songs wie „Fck It Up“, „Bullet in My Heart“ und Co. | Album Release

Mavi Phoenix released sein von Fans langersehntes Debütalbum "Boys Toys"! Neben vielen Hits ist darauf vor allem die Geschichte des Linzer Rappers zu hören, die viele Einblicke in sein Privatleben gewährt. homies: haben für dich reingehört!
Mavi Phoenix - Boys Toys

Das vergangene Jahr war mit Sicherheit kein gewöhnliches für Mavi Phoenix – sowohl privat, als auch musikalisch. So ging es zum einen mit der Karriere des Musikers steil voran, Mavi releaste einen Hit nach dem anderen, begleitete Milky Chance auf ihrer Europatour und gewann zur Krönung den FM4 Amadeus Award.

Doch auch privat änderte sich 2019 einiges für Mavi: Hatte er sich als Marlene Nader zuvor noch als Frau in der sonst eher männerdominierten Hip Hop Branche bis nach oben durchgekämpft, steht uns heute Marlon als Mavi Phoenix gegenüber. Zum ersten Mal thematisierte Mavi das Thema der Gender Dysphoria in seiner Single „Bullet in My Heart“, in der er noch davon sprach, sich auf einer Reise zu sich selbst zu befinden. Ende 2019 kam es dann auch zum öffentlichen Statement, Marlene sei ab jetzt Marlon.

Ein Outing in der Öffentlichkeit, mitten im Karrierehoch ist sicher nicht einfach. Dass Mavi sich trotz allem dazu entschieden hat, beweist seinen Mut und hilft sicherlich vielen Fans, die sich in ähnlichen Situationen befinden und nach Vorbildern suchen.

Auf seinem Debütalbum, auf das Fans lange warten mussten, thematisiert Mavi seine Gender Dysphoria und schafft ein Konzeptalbum, wie es in heutigen Zeiten nur noch selten auftritt.

Es handelt sich bei „Boys Toys“ nicht um eine bloße Aneinanderreihung von Hits, auch wenn viele Songs definitiv das Potential dazu haben, sondern um eine Geschichte, die erzählt wird und die als Gesamtkonzept einwandfrei funktioniert.

Mavis Album erscheint auf seinem eigenen Label LLT Records. Am Album beteiligt waren neben Mavis Produzent und bestem Freund „Alex The Flipper“, mit „NVDES“, „Yakob“ und „RIP Swirl“ auch Einflüsse aus Berlin und LA. Entstanden ist dabei ein Album, dass trotz den vielen Einflüssen durch und durch Mavi ist – und das so frei wie nie. „Boys Toys“ erscheint musikalisch sehr divers, erinnert zwar an vielen Stellen an frühere Songs, bietet aber auch neue Sounds und zeigt so auch Mavis Einflüsse aus anderen Szenen.

Mavis Debütalbum "Boys Toys"

Mavis hochgepitchte Stimme, die man schon aus älteren Songs wie „Yellow“ oder „White Polo“ von ihm gewohnt war, spielt als „Boys Toys“ auf Mavis gleichnamigen Debütalbum die tragende Rolle.

Boys Toys stellt dabei den Jungen dar, der Mavi in seiner Kindheit nicht sein konnte. Wurde uns Mavis Alter Ego auf der Single „Boys Toys“ noch als kleinerer Junge vorgestellt, der mit Modellflugzeugen spielt, so vollzieht er durch das Album hindurch eine Reise durch verschiedenste Phasen seines Lebens.

In seinem Song „Choose Your Fighter“ schlüpft Mavi  so in die Rolle des aggressiven Raufboldes, brüllt die Zeilen beinahe mehr heraus, als dass er sie singt. Im Song „Strawberries“ werden dann ruhigere Töne angeschlagen, Mavi Phoenix als sexy Fuckboy, der mit „Strawberries and Songs of Beyonce“ verführen will. Auf „Strawberries“ lässt sich dann auch einer der vielleicht schönsten Sätze des ganzen Albums finden: Im Outro tritt Boys Toys erneut auf und spricht

Just because my voice is high, doesn´t mean I´m not your average guy

und bringt damit auf den Punkt, was Mavi wohl in seinem ganzen Album vermitteln möchte: Er ist einfach nur der „average guy“, der Junge von nebenan, manchmal Raufbold, manchmal Fuckboy, vielleicht mal liebender Familienvater – Mavi eben. Mit seinem Album „Boys Toys“ gelingt es Mavi der Welt zu zeigen wer er wirklich ist: Ein guy. Wenn vielleicht auch nicht der average dude, denn der macht normalerweise nicht so geile Musik wie Mavi Phoenix.

 

homies: haben für dich reingehört und stellen dir einige ausgewählte Songs vor. Tune in!

"Boys Toys"

Mit „Boys Toys“ veröffentlichte Mavi bereits als Singleauskopplung den Vorgeschmack auf sein Album.

Der musikalische Neustart, sein erstes eigenes Album, lässt sich auch im Video wiederfinden, das von der Künstlerin Elizaveta Porodina produziert wurde. Mavi wird direkt zu Beginn des Videos „wiedergeboren“, entdeckt im Video neue Seiten an sich und lebt diese aus. So spielt „Boys Toys“ der uns im gleichnamigen Song erstmals vorgestellt wird mit Modellflugzeugen, tritt aber auch als muskulöser Mann auf und spiegelt so die Diversität verschiedener Männlichkeitskonzepte dar.

"Bullet In My Heart "

Mit „Bullet In My Heart“ ging 2019 alles los: Mit seiner ersten Singleauskopplung des Albums brachte Mavi seine Gender Dysphoria auch erstmals an die Öffentlichkeit. Sich finden und zu sich selbst zu stehen ist häufig keine leichte Sache, gerade dann nicht, wenn man selbst in der Öffentlichkeit steht. Mit “Bullet In My Heart” veröffentlichte Mavi einen echten Statement-Song, der genau diese Probleme anspricht und auch vom eigenen Weg zu sich selbst erzählt.


Im zum Song gehörigen Musikvideo werden immer wieder Textpassagen eingeblendet die erklären, was es heißt Transgender zu sein. Mavi selbst gab damals noch an, sich auf einem Weg zu befinden, sich selbst noch zu finden, sich dabei aber auch nicht verstecken zu möchten.

"Fck It Up"

Auch „Fck It Up“ war zuvor schon als Singleauskopplung erschienen. Mavi tritt im Song frecher auf, als bisher gewohnt, der Sound erinnert aber trotzdem an alte Mavi Phoenix Songs und bildet so in gewisser Weise eine Verbindung zwischen altem und neuem Sound.


Mavi will nicht mehr dein PYT („Pretty Young Thing“) sein, sondern einfach er selbst. In „Fck It Up“ trägt der Linzer Künstler die Welt in die Öffentlichkeit, in der er eigentlich schon immer zu Hause war. Dabei wird Mavi im zugehörigen Musikvideo vom Berliner Künstler und Musiker Valentin Hansen in Szene gesetzt. Mavi lebt im Video die Kindheit aus, auf die er lange warten musste – Mit Zahnspange im Kinderzimmer sitzen, Malen, die Pokemon Karten sortieren.

"Family"

Ist Boys Toys auf dem Album sonst eher als junger Mann oder Kind anzutreffen, so geht es in „Family“ um einen Blick in die Zukunft. Mavi stellt sich sein Leben als „cool dad“ vor, der er ganz sicherlich wäre.

Seine Freundin im Song möchte aufgrund des Klimawandels allerdings kein Kind in die Welt setzen, Mavi bringt so unterschwellig auch eine zweite Ebene in seinen Song mit ein. Ob mit oder ohne Kind, Familie sind die Menschen, die man zur Familie macht – “So welcome to our family, it´s only me and you”.

"12 Inches"

Mit “12 Inches” veröffentlicht Mavi einen Song, der direkter und privater ist als viele frühere Texte von ihm:

I’m just a little blonde bitch but I got a big cock

rappt Mavi souverän über die Beats und erzählt beinahe beiläufig von den verschiedenen Reaktionen auf sein Outing als Transgender. Mavi tritt im Song so authentisch auf wie selten, spricht über die ausbleibende Antwort seines Vaters auf die Veröffentlichung seines Songs „Bullet In My Heart“ und die fehlende Unterstützung.

My life is fucked up – no it´s not” schließt er schließlich und macht klar, dass er einfach nur ein average dude ist und auch als solcher gesehen werden will.

"Strawberries"

Auf „Strawberries“ treffen wir Mavi in einer neuen Rolle: Mit viel Champagner, „Strawberries and Songs of Beyonce” ist Mavi ein cuter Fuckboy, der dein neuer boyfriend sein will. Auch Mavis Gesangstalent kommt im Song deutlicher hervor als bisher, wenn Mavi immer wieder die Zeilen “How can I be man enough for you” singt. Mavi zeigt so selbst in dieser Rolle wieder seine verletzliche Seite.

Im Outro von „Strawberries“ hat auch Boys Toys wieder einen kleinen Auftritt. Mit seinem Satz

Just because my voice is high, doesn´t mean I´m not a guy” 

bringt er wohl die Essenz des gesamten Albums perfekt auf den Punkt. Denn es sollte nicht darauf ankommen, ob man als Mann geboren wurde, oder ob man ein Trans-Mann ist. Mavi schafft mit ihren Songs wahre Hymnen für all die, die sich in ähnlichen Situationen befinden, ohne dabei die schwierigen Seiten zu verschleieren. Damit bringt er nicht nur die bislang eher unzureichend thematisierte Queerness in den Mittelpunkt der österreichischen Musikszene, sondern schafft auch noch ein Album, das sein ganzes musikalisches Können zeigt. Dabei tritt Mavi so frei wie nie zuvor auf und schenkt allen Fans das Album, auf dass sie lange gewartet haben.

Titelbild Credit: ©Nils Müller