KUMMER – Wie der Kraftklub Frontman aus Chemnitz zum Rapper wurde

KUMMER ist wohl einer der wichtigsten Musiker in der deutschen Musikszene. Jetzt macht der Sänger auch solo Musik, wechselt vom Kraftklub-Frontman zum politischen Deutschrap und liefert Hits direkt aus Chemnitz. Wo der Musiker herkommt und was ihr unbedingt über ihn wissen solltet, erfahrt ihr im homies: Spotlight!
KUMMER

Er ist Sänger einer der wahrscheinlich größten deutschsprachigen Indie Rock-Bands aller Zeiten, mit seiner Band Kraftklub landet er zahlreiche Hits, für seine Fans ist er längst eine Legende. Felix Kummer hat alle Charakteristiken die ein großer Künstler in der heutigen Zeit braucht: Er ist charismatisch, bezieht Stellung, sticht aus der Masse heraus.

 Mit KUMMER hat Felix jetzt sein großes Solo-Projekt gestartet. Wie er zum Rap kam, was ihn geprägt hat und wo KUMMERs musikalische Anfänge liegen gibt´s hier!

Die Musik im Blut

Dass Felix musikalisches Talent nicht von irgendwo her kommt wird klar, wenn man einen Blick zurück in seine Kindheit wirft. Aufgewachsen in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, kam KUMMER bereits früh mit Musik in Berührung. 

Seine Eltern, Ida und Jan Kummer waren beide Musiker, gründeten in den 80er Jahren die Band AG Geige, die sich dem Elektropop verschrieben hatte. Auch im Plattenladen seines Vaters entdeckte KUMMER seine Leidenschaft für die Musik und konnte bereits spätere Stars der Szene kennenlernen – einer der Angestellten im Laden von Felix Vater war damals nämlich kein anderer als Trettmann!

Auch Felix Geschwister sind im Musikgeschäft keine Unbekannten. Sein Bruder Till ist ebenfalls Mitglied von Kraftklub und steht am Bass, seine beiden Schwestern Nina und Lotta haben mit Blond ihre eigene erfolgreiche Indie-Band gegründet und machen ihren älteren Brüdern damit ordentlich Konkurrenz!

Rap mit Handtuch und Kapuze

Dass KUMMER sich jetzt dem Rap verschrieben hat, kommt für wahre Fans nicht ganz überraschend. Bereits 2007 sammelte der Musiker erste Rap-Erfahrung, war Teil des Duos Bernd Bass & Linus der Profi mit dem er mit „Feierabend“ (2007) und „Mit Handtuch und Kapuze“ (2008) insgesamt zwei Alben veröffentlichte. Als Bernd Bass, Felix ehemaligem Rap-Alter-Ego war Felix musikalisch zwar eher in Party-Rap Richtung unterwegs, bewies allerdings schon damals Humor, wenn er, beispielsweise in Musikvideos zu Songs wie „Supermarkt“, auf Parkplätzen grillt, bis die Polizei kommt.

 Auch in den Folgejahren wurde KUMMER immer wieder auf Songs von Kollegen wie Trettmann („Wie Du“, 2018), Alligatoah („Beine Brechen“, 2018) und Zugezogen Maskulin („36 Grad“, 2019) mit Rap-Parts gefeatured und trat hier unter anderem unter den Synonymen Carsten Chemnitz und Felix Brummer auf.

Mit Kraftklub zum Durchbruch

Der große Durchbruch kam für Felix mit seiner 2009 gegründeten Band Kraftklub, die zu einer der erfolgreichsten deutschen Bands zählt und in den vergangenen Jahren immer wieder zahlreiche Hits landete. Die fünf Jungs, die alle in Chemnitz leben, verbinden Indie Rock mit starken Texten und fallen auch durch ihre politischen Statements immer wieder auf. 

Mit ihrem 2011 veröffentlichten Album „Mit K“ erreichten sie Goldstatus und lieferten zahlreiche Hits wie „Songs für Liam“ und „Schüsse in die Luft“. Im Sommer 2017 erschien ihr drittes Studioalbum „Keine Nacht für Niemand“ das mit Songs wie „Chemie Chemie Yeah“ und „Fenster“ problemlos an frühere Erfolge anschließen konnte. 

Musik machen allein scheint der Band um Sänger Felix Kummer aber noch lange nicht genug zu sein: Seit 2013 organisiert die Band das Kosmonaut Festival das jährlich am Chemnitzer Stausee stattfindet. Größter Headliner? Na wer wohl? Kraftklub natürlich!

 

KIOX

2019 war es schließlich soweit und KUMMER begann auch solo Musik zu machen. Mit „9010“ erschien seine erste Single, die Freude der Fans war riesig. Aber keine Sorge: KUMMER als Solo-Projekt schließt Kraftklub nicht aus! Die Songs die auf KUMMERs erstem Solo-Album KIOX zu finden sind, waren dem Künstler schlichtweg zu persönlich für Kraftklub.

 Und auch musikalisch unterscheiden sich die Songs von Altbekanntem. Die Melodien sind düsterer, Felix rappt eher als dass er singt. Auch die Texte zeigen andere Seiten des Musikers, sind weniger unironisch, dafür deutlich politischer, ziehen klare Linien und geben klare Statements ab. KUMMER gewährt auf KIOX Einblicke in sein Inneres und seine Gedanken, die man von Kraftklub-Alben in dieser Intensität noch nicht gewohnt war.

Dass KUMMER nicht nur Talent hat, sondern dieses auch erkennen kann, zeigt sich bei der Auswahl der Künstler die auf KIOX gefeatured werden. Mit LGoony hat sich KUMMER einen jungen Künstler ins Boot geholt, der die deutsche Hip Hop-Szene der vergangenen Jahre deutlich mitgeprägt hat, mit KeKe eine Künstlerin, die als Österreichs neueste Rap-Hoffnung gilt. Mit „Aber nein“ erschaffen die drei Musiker den wohl rap-lastigsten Song des ganzen Albums zu dem wir laut „Aber ja!“ sagen!

Keine Frage: KUMMER weiß was er tut und was er will, dass zieht er auch durch: Auch die Vermarktung seines ersten Solo-Albums wollte er also niemand anderem überlassen und entschied sich so kurzerhand dazu, selbst zum Verkäufer zu werden. In Hommage an den früheren Plattenladen „KIOX“ seines Vaters, der bereits Namensgeber für das Album war, eröffnete KUMMER den Laden für ein Wochenende erneut. Zum Verkauf stand hier nur sein eigenes Album – persönliche Musik, persönlich zu den Fans gebracht.

Rap auf KUMMER-Art

Dass KUMMER jetzt rappt, bedeutet nicht, dass der Musiker sich veralteten Rap-Stereotypen hergibt. Stattdessen setzt der gebürtige Karl-Marx-Städtler auf andere Themen, behandelt immer wieder die Geschichte seiner Heimatstadt, berichtet von eigenen Erfahrungen mit Rechtsextremen, die er in seiner Jugend immer wieder machen musste, und malt musikalische Bilder von Szenerien nach, die Einblicke in eine Gesellschaft geben, die noch immer von Hass und Abgrenzung durchzogen ist.

Dass Felix Kummer dem klare Kante zeigt ist zwar kein Neues, kommt auf seinem neuen Album aber noch deutlicher heraus. Der Musiker war politisch zuvor allem voran durch sein Engagement gegen Rechtsextremismus aufgefallen, als er mit Kraftklub im September 2018 das „Wir Sind Mehr!“ Konzert in Chemnitz initiierte. In Songs wie dem von BLVTH produzierte9010“ verarbeitet KUMMER jetzt seine eigenen Erfahrungen mit Rechten und seine Heimatstadt Chemnitz und gibt so noch persönlichere Einblicke preis.

Felix macht den Rap nach eigener Aussage „wieder traurig“, aber eigentlich tut er viel mehr als das: Allem voran liefert er mit KIOX ein Album, dass Deutschrap wieder mit Messages verbindet und so Musik liefert, die für Rapfans endlich mal wieder richtig feierbar ist – Gute Musik. Aus Chemnitz. Für Jeden!

KUMMER

Genre: Rap
Mitglieder: Felix Kummer
Herkunft: Chemnitz
Gründungsjahr: 2019

Titelbild Credit: ©Philipp Gladsome

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