Kraftklub – Randale aus Chemnitz, KUMMER und #wirsindmehr

Kraftklub und ihre musikalische Geschichte. Von ihrer Gründung am splash! Festival über #wirsindmehr und “In Schwarz” bis hin zu KUMMER und dem Kosmonaut Festival im homies: Spotlight!
Kraftklub

Bernd Bass x Neon Blocks

Die Story der Band aus Karl-Marx-Stadt beginnt auf dem deutschen Hip Hop Mutterschiff, dem splash! Festival. 2009 trat darauf Rapper Bernd Bass gemeinsam mit der Rockband Neon Blocks auf. Bernd Bass, Neon Blocks und Kraftklub? Was die miteinander zu tun haben?

Einfach alles, denn den Auftritt von Bernd Bass alias Felix Kummer mit Neon Neets kann man als Geburtsstunde der Band Kraftklub ansehen. Ende 2009 gingen sie zusammen ins Studio und gründeten die Band Kraftklub.

Im Chemnitzer Kultclub “Atomino” veröffentlichte Kraftklub auf einer Record Release Party im Februar 2010 ihre erste EP “Adonis Maximus”. Wahre Fans kennen vermutlich alle Tracks. Der normale Hörer oder zumindest Festival Besucher vermutlich einen oder zwei und der Streaming Hörer keinen.

Denn auf der auf Spotify nicht veröffentlichten EP “Adonis Maximus” befinden sich die Live-Smasher “Scheissindiedisko” und “Randale”. Jeder der schon mal auf einem Kraftklub Konzert war, weiß, wenn “Randale” ertönt, heißt es alles auf dem Boden aufzusammeln und beim Drop in die Luft zu schmeißen. Randale eben!

(Kleiner Gedankengang am Rande: “Meine kleine Schwester macht Randale in der Stadt” – ist hier die Rede von einer der zwei Kummer Schwestern von Blond? Wenn ja, von welcher?)

Durch den im September verliehenen New Music Award wurden einige Labels auf die Band aufmerksam. Im Frühjahr 2011 gab die Band bekannt, beim Team von Universal Domestic Rock/Vertigo Berlin unter Vertrag zu stehen.
„Kraftklub sind ohne Frage die aufregendste neue Band in Deutschland“, erklärt Daniel Lieberberg, Label Head Rock/Urban bei UDR. „Wir sind sehr glücklich, die Band in Zukunft über Vertigo zu veröffentlichen.“

Und Kraftklub-Manager Beat Gottwald, Geschäftsführer der Künstleragentur BeatTheRich!, ergänzt: „Das ist super! Kraftklub und Vertigo passen perfekt.“

Next Step: Tourlife & Debütsingle

Kraftklub ging auf Tour und trat erstmals als Vorgruppe für große Bands wie Beatsteaks, Fettes Brot, Casper, Die Toten Hosen, Die Ärzte und Rammstein auf. Am 5. August 2011 veröffentlichten die Jungs ihre erste Single bei Universal “Zu Jung”.

Ich will nicht nach Berlin mit K

Der Durchbruch der Chemnitzer begann mit ihrem Auftritt beim Bundesvision Song Contest 2011 für den Freistaat Sachsen. Dort erreichten die Jungs mit “Ich will nicht nach Berlin” Platz 5.

Der Song wurde am Tag darauf veröffentlicht und stieg auf Platz 45 in den deutschen Charts ein. Das Debütalbum von Kraftklub “Mit K” erschien im Januar 2020 und schaffte auf Anhieb Platz 1 der Media-Control-Album-Charts.

Im Song „Ich will nicht nach Berlin“ zeigen die fünf Jungs eine ironische und überspitzte Anti-Haltung gegenüber dem Hauptstadt Hype – den zu vielen Wichtigtuern und Hipstern Berlins.

Die Story hinter dem Song: Dank der erfolgreichen EP „Adonis Maximus“ und ersten gewonnen Preisen, wurden Labels auf Kraftklub aufmerksam und rieten zu einem Umzug von Chemnitz nach Berlin. Das wollten sie aber nicht. Daher gilt „Ich will nicht nach Berlin“ als witzige Ablehnung des Trends, unbedingt ins angeblich angesagte hippe Berlin zu ziehen. Frage zum Tag: Wird ein Gegentrend der zum Trend wird, zum Trend?

Im April 2012 spielten K.I.Z und Kraftklub auf dem Dach des Chemnitzer Gewerbekomplexes Terminal 3 ein unangemeldetes Konzert im Rahmen der Dokumentarfilmserie “Durch die Nacht mit…” von ARTE.

Der Auftritt wurde nur wenige Stunden vorher über soziale Netzwerke angekündigt. Aufgrund des hohen Andranges musste die Polizei die Chemnitzer Brückenstraße absperren.

Songs für Liam

Zum Record Store Day 2012 veröffentlichte Kraftklub den Song “Songs für Liam” mit Rapper Casper. Der Song erschien als Vinyl-Single und wurde auf 700 Stück limitiert. Beide spielten den Song erstmals beim Echo 2012.

Ihr erstes Konzert außerhalb Europas gaben Kraftklub im Rahmen ihrer „Con-K“-Tour im September 2012 in Kolumbien: Bogotá, Medellín, Cali und Cartagena – Escobar lässt grüßen!

Der Echo 2013

2013 war Kraftklub zusammen mit der Gruppe Frei.Wild für den Musikpreis Echo in der Kategorie Rock/Alternativ National nominiert.

Am 6. März 2013 gab die Gruppe bekannt, sich von der Nominiertenliste streichen zu lassen, da Kraftklub nicht mit Frei.Wild in einer Reihe genannt werden will.

Nachdem auch Mia. und Die Ärzte ihre Teilnahme zurückgezogen hatten, wurde Frei.Wild von der Nominiertenliste gestrichen und Kraftklub erhielt den „Kritikerpreis National“.

Kosmonaut Festival

2013 rief die Band das Kosmonaut Festival am Stausee Oberrabenstein in Chemnitz ins Leben, das bereits im ersten Jahr mit 6.000 Besuchern ausverkauft war und für 2014 mit 10.000 Besuchern auf zwei Tage verlängert wurde. Im Jahr 2015 lief das Festival ebenfalls zwei Tage.

In Schwarz

Am 20. Mai 2014 erschien auf der Videoplattform YouTube das Musikvideo „Hand in Hand“ einer vorgeblich neuen Band namens In Schwarz.

Am 2. Juni 2014 traten In Schwarz bei der Fernsehshow Circus HalliGalli auf, enttarnten sich als Kraftklub und kündigten ihr Album mit einem großen Banner und dem Schriftzug „#INSCHWARZ 12092014“ an.

Die erste Single aus dem Album heißt „Hand in Hand“ und wurde am 22. Juni 2014 veröffentlicht.

Bei MDR Sputnik präsentierten Kraftklub am 7. August 2014 ihre zweite Singleauskopplung „Unsere Fans„. Das Album „In Schwarz“ erschien am 12. September 2014 und stieg wie der Vorgänger auf Platz eins in Deutschland ein.

Auf dem Album findet sich auch der Song „Schüsse in die Luft“ wieder. In einem Interview gab Felix bekannt, dass der Song für ihn der persönlich wichtigste ist und für ihn knapp 2 Jahre benötigte. „Schüsse in die Luft“ steht stellvertretend für ihn und das Gefühl etwas nicht hinzubekommen, es schlussendlich aber doch zu schaffen.

Randale und Keine Nacht für Niemand

Im November 2015 erschien ihr Livealbum “Randale”. Teil der DVD ist ein Mitschnitt des Konzertes in der Max-Schmeling-Halle in Berlin vom 6. März 2015. Im Januar 2016 folgte dann die Randale-Tour durch mehrere deutsche Städte.

Am 16. März veröffentlichten Kraftklub während eines 10-stündigen Facebook-Livestreams die erste Single “Dein Lied” aus dem daraufhin angekündigten Album “Keine Nacht für Niemand”, welches im Juni 2017 erschienen ist. Der Titel des Albums ist eine Anspielung auf das Album “Keine Macht für Niemand” der Band Ton Steine Scherben.

#wirsindmehr

Am 3. September 2018 initiierte die Band als Protest gegen die rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz ein Openair-Konzert unter dem Motto „Wir sind mehr“ vor schätzungsweise 65.000 Konzertbesuchern. Neben ihnen spielten dort auch Marteria & Casper, K.I.Z, Nura, Trettmann, Die Toten Hosen und Feine Sahne Fischfilet.

KUMMER

2019 war es schließlich so weit und KUMMER begann auch solo Musik zu machen. Mit „9010“ erschien seine erste Single, die Freude der Fans war riesig. Aber keine Sorge: KUMMER als Solo-Projekt schließt Kraftklub nicht aus! Die Songs die auf KUMMERs erstem Solo-Album KIOX zu finden sind, waren dem Künstler schlichtweg zu persönlich für Kraftklub.

Und auch musikalisch unterscheiden sich die Songs von Altbekanntem. Die Melodien sind düsterer, Felix rappt eher als dass er singt. Auch die Texte zeigen andere Seiten des Musikers, sind weniger unironisch, dafür deutlich politischer, ziehen klare Linien und geben klare Statements ab. KUMMER gewährt auf KIOX Einblicke in sein Inneres und seine Gedanken, die man von Kraftklub-Alben in dieser Intensität noch nicht gewohnt war.

Kraftklub

Genre: Indie Rock
Mitglieder: Felix Kummer, Karl Schumann, Till Brummer, Steffen Israel, Max Marschk
Herkunft: Chemnitz
Gründungsjahr: 2009

Titelbild Credit: ©Eva Sutter

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