Edwin über sein Debütalbum „Sleben“, Wiener Schmäh und Apps wie Tinder & Co. | homies: Interview

Mit seinem Song "Schmäh Olé" feierte Edwin seinen Durchbruch, am 05. Juni diesen Jahres erscheint mit "Sleben" das Debütalbum des Wiener Musikers. Im homies: Interview sprechen wir mit Edwin über sein Album, Wiener Schmäh, seine Haarpflegeroutine und Tinder und finden heraus, auf was Fans sich in Zukunft freuen dürfen!
Edwin Interview

Zum Einstieg erst mal die Standardfrage: Im wahren Leben heißt du Sebastian. Wie bist du zum Namen Edwin gekommen?

Wie klar war, dass ich Musik machen will, wollte ich definitiv nicht meinen bürgerlichen Namen verwenden. Sebastian ist zwar ein schöner Name, aber bissl 0815. Somit hab ich überlegt und überlegt bis ich zu dem Entschluss gekommen bin, dass es fünf Buchstaben sein sollen, da es typografisch schick ausschaut und eine Mitte hat. Dann hatte ich eine Liste von ca. 40 Namen, es hat sich jedoch keiner wirklich herauskristallisiert.

Irgendwann hab ich mir dann meinen österreichischen Lieblingsfilm „Muttertag“ angeschaut, Reinhard Nowak spielt da die Hauptrolle namens Edwin und dann ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Somit ist aus Sebastian Edwin geworden und umgekehrt.

Du warst früher als DJ unterwegs, heute singst und performst du deine Songs selbst. Wie ist es zu diesem Wechsel gekommen?

Wie ich noch in der Schule war, hab ich mit einem meiner besten Freunde, s/o an Pranzl, unter dem Namen „Junge Römer“, House & Techno aufgelegt. Wir waren jetzt nicht wirklich bekannt aber wir haben eigentlich überall in Wien gespielt, angefangen vom Flex, Loft bis hin zum Fluc und sogar noch in der alten Pratersauna.

Die Aufgabengebiete zwischen ihm und mir waren ganz klar verteilt. Er hat sich um die Technik und die Übergänge gekümmert, ich war für die Effekte und den Turn Up zuständig. Wie ich dann mit meiner eigenen Musik begonnen hab, haben wir auch keine Gigs mehr gespielt, aber alles gut wir sind immer noch Friends und er ist auch im Hintergrund ein fixer Bestandteil von Edwin.

Mit deinem Song „Schmäh Ole“ warst du 2018 quasi in Dauerschleife auf FM4 zu hören. Wie fühlt es sich an, sich zum ersten Mal selbst im Radio zu hören?

Um ehrlich zu sein war es flashig und was ganz besonderes, ain´t gonna lie. Ich bin dankbar, dass FM4 mich nach meinem 2. Tape schlussendlich doch in die Rotation genommen hat, aber ich freu mich über jede Radiostation die meinen Sound fühlt, spielt und promotet, auch über Österreich hinaus.

Du wurdest in Wien geboren, dein Lied „In dir“ lässt sich als wahre Liebeserklärung an die Stadt lesen. Was sind deine Lieblingsorte in Wien, wo trifft man Edwin an? Und könntest du dir vorstellen (vielleicht auch für die Musik) mal woanders hinzuziehen?

Geboren und aufgewachsen bin ich in Transdanubien, um genauer zu sein in Floridsdorf, aber ich wohn seit knappen sechs Jahren im 18. Bezirk. Lieblingsorte per se hab ich nicht. Wien hat hald alles, was eine Weltstadt hat, bis auf die Größe.

Da Flair, De Leit, De Geschichtn und jeder kennt sich über 5 Ecken, das liebe ich an Wien. Generell mag ich es auch, weil es so charmant und cozy ist. Wo man mich ganz bestimmt antrifft im Sommer, vorausgesetzt es herrscht keine Pandemie, am Kutschkermarkt, den ich nur empfehlen kann, da gibt´s von frischem Gemüse zu Allerlei Spezialitäten alles was das Herz begehrt. Ich bin aber auch gern im Ersten unterwegs.

Grundsätzlich kann ich mir schon vorstellen woanders zu wohnen, aber es hat sich bis jetzt nicht ergeben und sowas kann man ja auch nicht erzwingen. Hab auch schon öfter drüber nachgedacht, aber jetzt mal Fokus auf die Musik und dann kann ich immer noch umziehen, wenns mich überkommen sollte. Aber wenn woanders hin dann nach Barcelona, da ist das Wetter traumhaft und die Mentalität der Menschen liegt mir sehr.

Auch in deine Musik bringst du gerne immer wieder deinen eigenen „Wiener Schmäh“ ein. Hörst du selbst auch Österreichische Musik? Welche Künstler inspirieren dich am meisten?

Ja tue ich, aber ich beschränke mich was das angeht auf kein Genre. Da ist vom Wienerlied/Chanson bis hin zum Austropop alles dabei. Helmut Qualtinger, Georg Kreisler, Falco, STS aber genauso Danzer, Fendrich und Ambros.

Es gibt so viele verschiedene großartige Musiker in Österreich die mich inspirieren. Aber Falco auf jeden Fall sehr – als Pionier des deutschsprachigen Hip-Hops, aber auch Bilderbuch hat mich beeinflusst, vor allem, weil sie mitunter ein Antrieb waren selbst Musik zu machen.

Du hast bereits mit Künstlern wie YUGO und BIBIZA kooperiert. Kann man in Zukunft auf neue Songs mit ihnen zusammen hoffen? Und groß gedacht: Gibt es einen Künstler den du gerne mal featuren würdest?

Mit Sicherheit. S/o an dieser Stelle an meine beiden Brudis, da wird’s bestimmt noch den ein oder andern Track geben, aber das wird man dann eh wenn die Zeit reif ist hören. Wunschfeature im Moment, hmm … Trettmann oder Bausa weil beide sehr schöne, einzigartige Stimmfarben haben.

In einem Interview hast du davon gesprochen leidenschaftlicher DVD-Sammler zu sein. Hat sich das in Zeiten von Netflix geändert?

Ich liebe DVDs einfach, ich gebe zu, ich hab jetzt schon des längeren meine Sammlung nicht erweitert, aber wenn man über 500 DVDs an der Wand hat, kann man auch mal die Füße bissl still halten.

Nein ganz im Gegenteil, ich schau zwar auch mal auf Netflix Filme oder Serien aber ich mag zum einen den Prozess des DVD Einlegens an sich, Snacks vorbereiten, und sich komplett auf den Film einlassen. Bei Netflix hab ich hald öfter das Problem, dass ich eine 3/4 Stunde davor sitze um erst mal was zu finden was ich schauen will, um dann festzustellen dass ich eigentlich gar keine Lust mehr hab weil ich von der Auswahl maßlos überfordert bin.

Wir stellen hier einfach mal die These auf, dass du wahrscheinlich der Rapper mit den schönsten Haaren Österreichs bist. Kannst du uns deine Haarpflegeroutine verraten?

Oh vielen vielen Dank, damit lässt es sich ganz gut leben. Um ehrlich zu sein hab ich nicht wirklich eine Routine, es ist eher eine Mischung aus alle 2-3 Tage waschen, mal mit und mal ohne Shampoo, der Rest sind gute Gene denke ich, s/o an dieser Stelle an meine Frau Mama und meine Oma.

Wir sind natürlich nicht nur an deinen Haaren interessiert, sondern auch an deinem Musikgeschmack: Welche Songs dürfen auf deiner Playlist nicht fehlen?

Master Blaster (Jammin´) – Stevie Wonder
Evan Finds the Third Room – Khruangbin
Vibe – Cookiee Kawaii
I THINK – Tyler, The Creator
Move Me – Mura Masa
In the Pink – Naked Cameo
Grauer Beton – Trettmann
100 Wörter – EN60, LUIS
Pablo – Frisco Imai
GTA – Dyin Ernst, food for thought
Barry Manilow – Bilderbuch
Yugo – YUGO
Trap – SAINt JHN ft. Lil Baby
Going Bad – Meek Mill ft. Drake
TAlk tO Me – Tory Lanez, Rich The Kid, Lil Wayne
Baby Sitter – DaBaby ft. Offset

Mit deinem Song „Swipe (Swipe Swipe)“ hast du den perfekten Song zum fröhlichen Tindern geliefert. Was hältst du persönlich von Apps wie Tinder und Co. und nutzt du Social Media auch privat?

Ich finde nichts verwerflich an Tinder, natürlich ist es nicht so romantisch wie früher, wie unsere Eltern oder Großeltern sich kennen gelernt haben, aber wir leben nun mal in einer Gesellschaft die komplett digitalisiert ist – somit ist Tinder auch nur eine Begleiterscheinungen von vielen. Ich persönlich hab es auch mal probiert, hatte aber immer nur gute Erfahrungen und schöne Begegnungen. Sonst benutze ich Social Media, wobei Facebook gefühlt nicht mehr lebt.

Am 05. Juni 2020 erscheint dein Debütalbum „Sleben“. Was dürfen wir uns erwarten?

Gemeinsam mit meinem Produzenten food for thought (Heiße Luft) und meinem Executive Producer Hardy (Glorietten Stürmer) hab ich mich Mitte Mai letzten Jahres zusammengetan um mein erstes Album zu machen. Gesagt, Getan. Zwei Gast Produzenten Lukas Maletzky (Naked Cameo) und Diskojürgen (Gloriettenstürmer) haben mit ihren Produktionen noch das Ganze abgerundet.

Auf dem Album sind mit Abstand die ehrlichsten und authentischsten Songs drauf, die ich je geschrieben habe. Auf der Platte behandle ich Themen wie Selbstzweifel, einseitige Liebe, Sehnsucht und echte Dankbarkeit. Das Soundbild bewegt sich zwischen modernen Hip Hop Beats und intimen, langsamen Soulrythmen.

Ich bin mit meinem neuen Sound wahnsinnig glücklich, ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen, dass das kommende Album mein Best-Body-of-Work ist. Der Titel des Albums, „Sleben“ ist Programm, es ist alles und nichts zugleich mit einem imaginären Augenzwinkern, manchmal mit einem Lachenden und manchmal mit einem weinenden Auge.

Ich bin Edwin und ich
kann pfeifen wie kein Zweiter.
bin ein echter Wiener.
habe heut erfahren, dass ich die schönsten Haare im Game hab.
spiele zu selten Brettspiele.
will von der Musik leben können & glücklich sterben.

Wir sagen danke fürs Interview!

Titelbild Credit: © Katrin Schmirler