Denai Moore stellt sich mit „Modern Dread“ dem Spiegelbild | Album Release

Das dritte Album von Denai Moore heißt „Modern Dread“ und zeigt eine Bestandsaufnahme der Angst einer Generation. Alle Insights gibts bei homies: music & events.
Denai Moore

"It's okay to feel like shit sometimes – and it's okay to be confident as well."

Denai Moore

Die britisch-jamaikanische Sängerin veröffentlicht nach 3 Jahren nun ihren neuesten Longplayer „Modern Dread“ über das Label Because Music. Der Albumtitel ist eine Anspielung an das universelle Angstgefühl einer Generation und trifft damit den Zeitgeist im Jahr 2020. Die allgemeine Besorgnis um die ganze Welt zusätzlich zu der eigenen persönlichen Entwicklung festgehalten auf 13 Songs, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Genrefree.

Denai Moore betont immer wieder, dass sie sich als genrebefreite Künstlerin sieht. Für sie ist es wichtig, dass im Studio alles zugelassen werden darf, ohne Hintergedanken, ob der musikalische Output dadurch in eine Genrekategorie passt oder nicht. Genrefree steht dabei als Befreiung von selbstdefinierten oder auferlegten Klassifizierungen und für eine allgemeine Offenheit. Genauso wie sich der Mensch hinter einem Projekt verändert, darf sich der musikalische Stil bei jedem Track neu erfinden und die unterschiedlichsten Einflüsse wahrnehmen.

Die Schönheit der Ambivalenz

Das Album besticht lyrisch durch sehr ehrliches Songwriting, welches an manchen Stellen vor Selbstbewusstsein strotzt und sich dann wieder sehr verletzlich zeigt. „Fake Sorry“ ist einer dieser positiven Songs und behandelt die Frustration sich als Frau immer wieder erklären zu müssen, sich bewusst klein zu machen und nicht ernst genommen zu werden. Ein Nein, dass als auch als solches wahrgenommen werden soll, denn no one can deal with fake sorry.

Ein Gegensatz dazu bildet „Motherless Child“. Obwohl der Beat sehr fröhlich und tanzbar ist, behandelt der Song das Thema Einsamkeit. Das Motiv des mutterlosen Kindes entstammt einem alten spirituellen Song und soll das Gefühl verdeutlichen komplett isoliert von der Welt zu sein. Die Songskizze zu „Motherless Child“ entstand bereits Jahre zuvor, doch wurde nun mit Alex Robertshaw, dem Gitarrist und Keyboarder der Band „Everything Everything“, der am kompletten Album als Co-Writer mitwirkte, gemeinsam überarbeitet. Der Song entstand in einer selbst gewählten Isoliertheit und wurde nun als Prerelease passenderweise in der Quarantäne präsentiert.

„Is there a single quiet place?”

Mit „Turn Off The Radio“ thematisiert Denai Moore ein weiteres aktuelles Zeitgefühl. Dabei besingt sie die Informationsflut der Medien und die fehlende Filterfunktion. In Zeiten von Social Media kann einem dieses Gefühl, der Überforderung sicherlich bekannt vorkommen. Musikalisch wird diese Ruhelosigkeit durch einen drängenden Beat verstärkt und findet ein abruptes Ende, genauso wie der Ausstieg aus einer App.

Kunst ist überall

Für Denai Moore drückt sich Kunst in allen Lebensbereichen aus. Sie selbst ist nicht nur Musikerin, sondern auch begeisterte Köchin und durfte selbst schon mit Jamie Oliver den Herd teilen. Nachdem das Angebot an veganer-jamaikanischer Küche in ihrer Stadt jedoch begrenzt war, eröffnete sie kurzerhand ihr eigenes Pop-up Restaurant „Dee’s Table“ in Margate, England.

Nachhaltigkeit ist Denai Moore jedoch nicht nur in der Küche wichtig, sondern auch in der Produktion ihrer Platten. Daher setzte sie bei der Produktion auf sogenannte Eco Vinyls, welche aus unbenutzten Farbgranulaten aus anderen Produktionen hergestellt werden. Ein Plattenkauf wird somit zur Überraschung, denn dadurch entstehen Unikate mit unterschiedlichster Marmorierung.

„Art is the kind of glue that holds a soul together”

“Modern Dread“ ist eine Bestandsaufnahme der modernen Zeit. Die Songs sind ein Spiegel der aktuell diskutierten Themen, doch auch die Musikerin tritt wieder vor ihr Spiegelbild und gibt Einblicke in ihr Leben. Das Album zeigt nicht nur einen Zustand, sondern ein Spektrum auf, da Gegensätze einander beständig abwechseln.
Auf die Frage, ob ein Albumrelease inklusive Promophase in Zeiten von Corona überhaupt passend ist antwortet Denai Moore in ihrer ersten Podcastfolge von „Genre free radio“, dass Musik ein so essenzielles Ventil ist und die Welt durch die universelle Sprache vor allem verbinden könne. Ein Kleber sozusagen der die Seele aber auch die Welt zusammenhalten kann.

Denai Moore – „Modern Dread” – Die Tracklist

Too Close
Don’t Close The Door
Fake Sorry
Grapefruit On The Porch
Cascades
Hail
To The Brink
Motherless Child
Turn Off The Radio
Honour
Slate
Offer Me
Wishin’ You Better

Titelbild Credit: © Nadira Amrani