Catastrophe & Cure über ihr neues Album „Somewhere Down the Line“, 10 Jahre Bandgeschichte und ihren Umgang mit der Isolation | homies: Interview

Johannes Eder, der Frontmann von Catastrophe & Cure, gibt Einblicke in die Arbeit an ihrem kürzlich erschienenen Album "Somewhere Down the Line", einschneidende Erlebnisse in 10 Jahren Bandgeschichte und ihren Umgang mit der Pandemie-bedingten Isolation.
Catastrophe & Cure Interview

Hallo, Johannes! Erstmal vielen Dank für das Interview! Mit „Somewhere Down the Line“ ist vor kurzem Euer drittes – übrigens sehr gelungenes – Album erschienen. Es steht im Zeichen der Rückkehr zu gitarrenlastigem Songwriting. Was führte Euch zu diesem Schritt?
Herzlichen Dank! Das ist überwiegend intuitiv geschehen. Ich schreibe die meisten unserer Songs ja auf der Gitarre. Bei den letzten zwei Platten ist von der Gitarre oft nicht mehr viel übrig geblieben, da wir vermehrt auf Synthies gesetzt haben und der Sound elektronischer wurde. Dieses Mal haben wir die Gitarren wieder öfter im Rampenlicht stehen lassen. Am stärksten hört man das bei „Another Wave“, „I Never Answer“ und „Hearts of Glass“. Das Album klingt dadurch wieder stärker nach Band und fokussiert sich mehr auf das Songwriting und nicht die Soundtüftelei, obwohl die natürlich auch nicht zu kurz kommt.

Gab es für diese Stildefinierung spezielle musikalische Einflüsse?
Als kleines Kind in den 90ern sind mir durch meine großen Brüder früh Songs von Bands wie Pavement, Nirvana, R.E.M, Pixies und Radiohead begegnet. Ich glaube, dieser Einfluss ist auf der aktuellen Platte zum Teil deutlicher spürbarer als auf unseren bisherigen Alben.

Einige Songs auf dem Album weisen deutliche Parallelen zur Musik der Ära des New Wave aus den 80ern auf. Beeinflusste diese Musikrichtung Euch auch?
Wie gesagt treffen wir solche Entscheidungen überwiegend intuitiv. Ich höre eigentlich eher wenig Musik aus den 80ern, es hat sich in letzter Zeit aber eine gewisse Vorliebe für Modulationseffekte, in Chorus getauchte Gitarren, leiernde Delays und wabernde Synthies entwickelt. Mir gefällt es, wenn manche Elemente in den Songs ein bisschen aus dem Rahmen fallen und verstimmt klingen.

Wie sieht denn Euer Songwriting Prozess aus? Kommt eine einzelne Person mit den Ideen, wirkt die gesamte Band beim Schreiben der Songs mit oder verfolgt Ihr eine ganz andere Strategie?
In der Regel komme ich bereits mit einer mehr oder weniger konkreten Idee in die Bandprobe; die Akkordfolge, die Gesangslinie und ein grober Ablauf stehen meistens schon. Gemeinsam tüfteln wir dann daran und überlegen uns, wie wir den Song am Besten arrangieren. Bei manchen Songs ist der Prozess aber auch anders. Bei „Distant Siren“ wollten wir ganz bewusst ein Instrumentalstück schaffen. Wir haben uns einfach in den Proberaum gestellt, die Aufnahme gestartet, improvisiert und drauflosgespielt.

Die ersten beiden Alben wurden in Zusammenarbeit mit Markus Birkle, dem Live-Gitarristen der Fantastischen Vier, produziert. „Somewhere Down the Line“ wurde nun aber überwiegend selbst produziert. Welche Erfahrungen habt Ihr dabei gesammelt?
Markus ist ein sehr guter Freund und toller Musiker und Produzent. Bereits unsere Mini-LP „Blank Spots“ haben wir zur Gänze selbst produziert und gemischt. Für „Somewhere Down the Line“ wollten wir eigentlich gerne wieder mit Markus zusammenarbeiten. Da wir aber mittlerweile fast alle berufstätig sind und Markus in Stuttgart lebt, war es etwas schwierig das zu koordinieren.

Er ist für eine Session nach Wien gekommen und wir sind für zwei Sessions nach Stuttgart gefahren. An den Songs „Hearts of Glass“, „Seven Nights a Week“ und „Another Wave“ haben wir in diesen Sessions gemeinsam getüftelt. Aber auch bei den anderen Songs haben wir ihn immer wieder um Feedback gebeten, weil er die Perspektive eines Außenstehenden einbringen konnte.

Einem Facebook-Post Eurer Seite zu Folge war es nicht immer leicht, dieses Album zu produzieren. Worin bestanden die größten Schwierigkeiten, dieses Album zu erarbeiten?
Etwas anstrengend und nervenaufreibend ist so eine Albumproduktion ja immer. Außerdem war es dieses Mal nicht immer leicht, gemeinsame Termine zu finden. Wir mussten etwas flexibler arbeiten; es gab nicht immer nur Recording-Sessions bei denen wir vollzählig waren, sondern auch solche, bei denen wir nur zu zweit oder zu dritt waren. Es hat ein bisschen gedauert, bis sich das eingependelt hat.

6) Das Design Eures Albums sowie das Musikvideo zu „Clock“ gehen auf die Illustrationen von Max Atteneder – Eurem Keyboarder – zurück. Wie kam es zu diesem Projekt?
Max zeichnet eigentlich ständig und hat irgendwann begonnen auch uns und die Arbeit im Studio festzuhalten, da war es naheliegend, ihn das Artwork gestalten zu lassen.

Uns geht es in erster Linie darum, uns selbst künstlerisch zu verwirklichen. Wenn wir damit auch andere Leute begeistern können, freut uns das umso mehr. Wenn nicht, lassen wir uns dadurch aber auch nicht aus der Ruhe bringen.

Johannes Eder, Bandleader von Catastrophe & Cure

Ihr könnt bereits auf eine über 10jährige Bandgeschichte zurückblicken. Welche Erlebnisse haben Euch besonders geprägt?
Das erste wirklich große Erlebnis war die Veröffentlichung unseres ersten Albums „Like Crazy Doves“ im Herbst 2012. Unsere erste Single „Shipwreck“ lief plötzlich im Radio, im April 2013 haben wir den FM4 Amadeus Award gewonnen und ein paar Monate später spielten wir das Popfest, das Donauinselfest, das Frequency und das Poolbarfestival. Es war etwas surreal, weil alles so schnell ging.

 Die Arbeit an unserem zweiten Album „Undeniable/Irresistible“ war zum Teil sehr anstrengend, da wir sehr hohe Ansprüche an uns selbst haben und uns damals teilweise wohl auch selbst unter Druck gesetzt haben. Letztlich ist uns aber auch „das verflixte zweite Album“ geglückt und die gut besuchte Releasetour hat alle Strapazen vergessen gemacht. Unsere Show im WUK in Wien oder unseren zweiten Frequency-Auftritt werden wir zum Beispiel auch nie vergessen.

Mit unserer Mini-LP „Blank Spots“ im Jahr 2017 hat sich dann eine gewisse Gelassenheit eingestellt. Wir haben erstmals alles selbst produziert und gemischt. Ich glaube diese Gelassenheit hört man auch unserem neuen Album an. Uns geht es in erster Linie darum, uns selbst künstlerisch zu verwirklichen. Wenn wir damit auch andere Leute begeistern können, freut uns das umso mehr, wenn nicht, lassen wir uns dadurch aber auch nicht aus der Ruhe bringen.

Gibt es schon Pläne für die Zeit nach der Release Tournee? Welche Ziele verfolgt Ihr in Zukunft mit der Band?
Nicht wirklich. Momentan freuen wir uns auf das Livespielen und hoffen, dass alles klappt. Ein paar Ideen für neue Songs haben wir auch in der Schublade, vielleicht können wir die ein oder andere dann schon auf der Bühne umsetzen

Wie verbringt Ihr die Zeit in der Isolation? Könnt ihr diesen Verhältnissen etwas abgewinnen oder wünscht ihr euch nur, die Zeit möge so schnell wie möglich vergehen?
Wir sitzen alle im selben Boot: Wir können nicht proben, sehen einander nur über Bildschirme, die Konzerte mussten verschoben werden und die Veröffentlichung unseres Albums konnte nicht gebührend gefeiert werden. Das ist schade, aber geht derzeit eben nicht anders. Innerhalb der Band trifft uns die Krise unterschiedlich hart. Unser Schlagzeuger lebt ausschließlich von der Musik, er spielt in mehreren Bands und unterrichtet. Ich habe hingegen das große Glück, dass ich im home office arbeiten kann. Vielen Menschen da draußen geht es derzeit leider viel schlechter; sie müssen sich tagtäglich für einen oftmals viel zu geringen Lohn einem Ansteckungsrisiko aussetzen, verlieren ihre Jobs und haben mit massiven Existenzängsten zu kämpfen.

Wir sind Catastrophe & Cure und wir…


können auf eine zehnjährige Bandgeschichte zurückblicken.
sind mittlerweile nur noch zu fünft.
.
..haben hoffentlich noch weitere zehn Jahre vor uns.
spielen idealerweise so bald wie möglich wieder Konzerte.
wollen uns weiterhin bedingungslos künstlerisch verwirklichen.

Titelbild Credit: © Sophie Frank