Bukahara – von der Jazz-Studenten-WG zum Sprachrohr für Diversität

Bukahara verarbeiten Swing, Reggae, Jazz und Folk zu einem einzigartigen Sound. Sie stehen mit ihrer Musik für bunte Vielfalt und die Vereinigung unterschiedlicher Kulturen. homies: erzählen euch die Geschichte der Band.
Bukahara

Bukahara - ein rätselhafter Name

Wenn man über den Namen Bukahara stolpert, lässt er einen nicht unbedingt gleich auf eine Bedeutung schließen. Das tut er zugegebenermaßen auch nicht, wenn man versucht, sich näher damit auseinander zu setzen. Doch das spielt weiter auch keine große Rolle, wenn man das Wesentliche erfährt: Hinter dem Namen Bukahara stecken vier deutsche Musiker, die Swing, Folk und Reggae mit Einflüssen aus dem arabischen Raum so wie dem Balkan mischen und damit einen einzigartigen Sound kreieren. Zum Namen äußerte die Band sich einmal wie folgt: „Es ist ein lautmalerisches Wort, das ein bisschen exotisch klingt, man weiß aber nicht, woher es kommt.“

Die Band besteht aus den vier Multiinstrumentalisten Daniel Avi Schneider, Ahmed Eid, Soufian Zoghlami und Max von Einem. So vielfältig ihre Musik ist, so vielfältig sind auch die Wurzeln der Künstler. Zoghlami hat Wurzeln in Tunesien, Schneider in der Schweiz und Eid stammt ursprünglich aus Palästina und bekam mit 18 Jahren ein Stipendium, um in Lübeck Kontrabass zu studieren.

Von der Studenten-WG zur Band

Der Ursprung dieses Projekts liegt in Köln. Zoghlami, Eid und Schneider studierten dort an der Musikhochschule Jazz, wobei die beiden erstgenannten zusammen in einer WG wohnten und auch Schneider lediglich ein paar Gehminuten weit von ihnen entfernt lebte. Es entstand eine Freundschaft zwischen den drei Studenten, das Musizieren war dabei eher nebensächlich. Dies änderte sich 2009, als Schneider, der Geige und Mandoline spielt, zu einem Festival eingeladen wurde, um dort mit Musikern seiner Wahl aufzutreten. Für wen er sich entschied, liegt auf der Hand.

In Folge machten die drei hauptsächlich Straßenmusik. Im Mittelpunkt stand nach wie vor das Vergnügen. So auch auf den gemeinsamen Reisen, auf die sie sich im Laufe der Jahre begaben. Auf diesen spielten sie zahlreiche Konzerte, feierten die Nächte durch und übernachteten zumeist im Freien. Der kommerzielle Aspekt spielte keine große Rolle und das tut er auch heute nur bedingt.

Debütalbum noch als Bukahara Trio

2013 veröffentlichte die Band das selbstbetitelte Debütalbum „Bukahara Trio“, welches ohne ein Label herausgebracht wurde. Neben Schneider an der Geige und Mandoline und Eid am Kontrabass, spielte Zoghlami Gitarre. Schon damals zeichnete sich ab, dass es keinen klaren Bandleader geben wird. Auch wenn Zoghlami überwiegend für den Gesang zuständig ist, gibt es zahlreiche Songs, die von Schneider oder Eid gesungen werden. Sprachlich wechselt man bei den Songs zwischen Deutsch, Englisch und Arabisch hin und her. Auf das Debütalbum folgten erstmals Tourneen, wo wirklich die Konzerte im Fokus standen.

Die Zeit als Trio war begrenzt. Dass aber weiterhin Spaß und die Freundschaft im Vordergrund stand, zeigte sich an der Aufstockung zum Quartett. „Uns wurde oft gesagt: Ein Schlagzeug würde es bei euch echt bringen. Aber dann hatten wir plötzlich einen Posaunisten, weil der eben unser Freund geworden war“, erzählte Schneider. Das vierte Mitglied hört auf den Namen Max von Einem. Neben der Posaune spielt er auch Tuba und Sousaphon (eine Form der Tuba).

Das Problem des fehlenden Schlagwerkers lösen Bukahara im Team. Je nach den Bedürfnissen des jeweiligen Songs werden die Aufgaben geteilt. Wenn auf die Gitarre verzichtet werden kann, kümmert sich Gitarrist Zoghlami um das Schlagzeug. Falls nicht, tritt Zoghlami lediglich eine Bassdrum und von Einem schlägt eine Snaredrum. Hin und wieder spielt Eid auch auf einer Darbuka, einer Trommel mit traditionellem Ursprung im arabischen Raum.

Weitere Alben und die Gründung eines eigenen Labels

2015 erschien das zweite Album „Strange Delight“, welches überwiegend via Crowdfunding finanziert wurde. Es wurde, wie schon das Debütalbum, ohne Label herausgebracht. Die Songs des Albums schrieben die vier Musiker gemeinsam. Der Einsatz eines Akkordeons verstärkt darauf den Eindruck, dass Balkanmusik eine wesentliche Inspirationsquelle für die Band war.

Bukahara gründeten schließlich ihr eigenes Label „BML records“, über das sie 2017 folglich ihr drittes Album „Phantasma“ veröffentlichten. Darauf befinden sich mit den Liedern „No!“, „Grotta Delle Ninfe“ und „Vogel“ ein paar der erfolgreichsten Nummern der Band. Zu diesem Zeitpunkt hatten Bukahara ihren Bekanntheitsgrad um einiges erhöht. Sie wurden bei mehreren Festivals in Deutschland erstmals als Headliner geführt.

"Canaries in a Coal Mine" als bisher bestes Album

Im März 2020 erschien mit „Canaries in a Coal Mine“ ihr viertes Album. Mit dem Produzenten Tilman Hopf, der bereits mit José González oder Dendemann gearbeitet hat, holten sie sich auch erstmals Unterstützung für ihre musikalische Arbeit. Das machte sich auch bezahlt. „Canaries in a Coal Mine“ ist das sicher am besten ausgearbeitete Album von Bukahara bisher und darf durchaus auch als ihr bestes musikalisches Werk bis dato bezeichnet werden. Inhaltlich beschäftigt sich das Album mit dem Rechtsruck der letzten Jahre in Deutschland. Die Band wollte zwar nie politisch sein, doch fühlte sie den Drang, sich klar gegen Rassismus zu positionieren.

Zu dem Song „Afraid No More“ veröffentlichten Bukahara mit Beiträge ihrer Fans ein aufmunterndes Quarantäne-Video.

Die Corona-Pandemie durchkreuzte auch die Pläne von Bukahara: Die Release-Tournee zu „Canaries in a Coal Mine“ musste verschoben werden. Doch es konnten bereits neue Termine fixiert werden und die Tournee soll im Herbst 2020 starten.

Bukahara

Genre: Swing, Folk, Jazz
Mitglieder: Daniel Avi Schneider, Ahmed Eid, Soufian Zoghlami, Max von Einem
Herkunft: Köln
Gründungsjahr: 2009

Titelbild Credit: © Sophia Zoe

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