BRUCKNER über ihr Debütalbum „Hier“, die 3 Corona-Säulen und das WG-Leben | homies: Interview

Der Release ihres Debütalbums „Hier“ ist zwar schon eine ganze Weile her, das hindert unsere Redakteurin Nina aber nicht daran mit Jakob von BRUCKNER über das Debütalbum, seine Worst Case Band und das Bandleben mit seinem Bruder Matti zu quatschen. Viel Spaß beim Lesen!
BRUCKNER Interview

Seit eurem Release der „Sprungturm“ EP im April 2019 hat sich ja einiges bei euch getan, unter anderem habt ihr auch euer erstes Album rausgebracht! Wie sehr hat sich euer Leben seitdem verändert und was sind eure Ups & Downs aus dieser Zeit?

Ein großes Up war kürzlich die Erfüllung eines Langzeit-Traums: Wir sind mit Freunden in ein großes Haus südlich von München gezogen. Da haben wir uns einen wunderschönen Musikraum im Dachgeschoss eingerichtet, wo jetzt jeden Tag Musik gemacht wird. Die Lage ist für uns perfekt, noch S-Bahn Gebiet München, aber in einer halben Stunde in den Bergen. Einer umfangreichen Skitour-Saison steht also nichts im Weg. Auch gut während Corona jetzt in einer so großen WG zu wohnen, Corona offensichtlich unser großes Down. Wir mussten zwei Touren diverse Male verschieben, die ganze Festivalsaison, auf die wir uns am meisten gefreut hatten, fällt ins Wasser und steht nächstes Jahr auch auf sehr wackligen Beinen. Aber wenigstens haben wir grade unsere große WG, da haben es Menschen die grade alleine wohnen viel schwerer…

Ihr zwei seid ja Brüder. Wie sehr erleichtert/erschwert diese Verbindung eure musikalische Zusammenarbeit?
Wer gibt bei euch beiden den Ton an?

Es erleichtert insofern die Arbeit, als dass wir doppelt motiviert sind diese Beziehung zu pflegen, da wir es uns sonst ja auf beruflicher und familiärer Ebene miteinander verscherzen. Bestimmt trennen sich einige Bands, die sehr viel Potential haben, weil sie sich nicht die Arbeit machen evtl. aufkommende Differenzen aufzuarbeiten. Das wird bei uns nicht passieren. Das Aufwachsen als Brüder ist aber auf jeden Fall auch von einem starken Konkurrenzdenken geprägt. Das war schon manchmal etwas hinderlich, wenn man das aber irgendwann checkt und weiß wo es herkommt wird es eher lustig.

Den Ton gibt bei uns jeder in seinem Bereich an, machen wir klassische Aufgabenteilung. Ich hab eigentlich in den meisten kreativen Fragen das letzte Wort, Matti eher in organisatorischen und technischen. Ist in den meisten Bands so denk ich…

Euer Debütalbum nennt sich „Hier“. Was ist die Story dahinter und wieso habt ihr euch für diesen Titel entschieden?

Hier“ hat sich für uns wie die Ankunft nach einer langen Reise angefühlt. Wir hatten einen wirklich anstrengenden Sommer, waren etwas ermüdet und ernüchtert von den vielen Kilometern auf der Autobahn und dem restlichen bitteren Beigeschmack dessen, was man sich eigentlich von einem Musikerleben erträumt. Und dann waren wir da, durften zwei Monate lang in Berlin mit einem Produzenten, der ab Tag 1 ein guter Kumpel war, Musik machen. Da wussten wir wieder warum wir das machen. Aus diesem Gefühl heraus ist dann auch „Für immer hier“ entstanden, was definitiv das Herz der Platte geworden ist.

Welcher Song auf „Hier“ bedeutet euch am meisten und warum?

Für immer hier“ ist schon der wichtigste Song für uns, weil er uns immer daran erinnern wird, dass was wir gerade haben zu genießen, auch wenn es sich gerade schwer anfühlt. Ich denke, deswegen ist das auch unser erfolgreichster Song, weil er bei vielen dasselbe bewirkt. Ein anderer Song, der nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen hat, für mich aber sehr besonders ist, heißt „Josephine“. Ich mag ihn sehr, weil er politisch ist, aber nicht auf die Zeigefinger Art, sondern mit viel Augenzwinkern. Nebenbei ist er aber auch immer noch Pop- und Lovesong, und das alles unter einen Hut zu kriegen, hätte ich uns vorher nicht zugetraut.

Habt ihr ein Konzert in Erinnerung, an das ihr besonders gerne zurückdenkt?

Ich denke besonders gerne an den Tourabschluss der Tischtennistage-Tour in München zurück. Ist einfach am schönsten wenn man dann schon so gut eingespielt ist, Heimspiel, unsere Familie und eigentlich alle die mit uns zusammenarbeiten waren da. War einfach eine besondere Stimmung und danach eine schöne Sause. Als wir dann irgendwann um 4 Uhr ins Hotel wollten, mussten wir leider feststellen, dass bei der Reservierung irgendetwas vercheckt wurde, dann sind wir erstmal auf der Straße gelandet. Das war ein kurz ein kleiner Dämpfer, aber weil wir natürlich gut angeschossen waren, war die anschließende Schnitzeljagd durch München dann auch noch sehr witzig.

Welchen „Lifestyle“ hättet ihr gerne, wenn Corona irgendwann vorbei ist?
Habt ihr schon Pläne oder schaut ihr dann einfach spontan was so ansteht?

Wir hoffen wirklich sehr, dass die Konzert- und Festivalkultur, so wie wir sie von Vor-Corona-Zeiten kennen, wieder möglich sein wird. Dann würden wir gerne einfach an dem Punkt anschließen an dem wir aufgehört haben.

Für jede Single die ihr rausbringt, haut ihr immer entweder eine Zuhause Session, eine WG Session, etc. mit raus.
Hat das einen bestimmten Grund oder hat sich das mittlerweile bei euch so eingebürgert? 

Uns macht es einfach Spaß die Songs nochmal anders zu interpretieren als auf Platte.

Ihr beide kommt ja vom schönen Chiemsee und seid sicher viel unterwegs. Was bedeutet für euch Heimat?

Heimat kann für uns überall sein. Klar lieben wir die Berge und unsere Seen, aber genauso fehlt es uns wenn wir mal zu lange nicht todeserschöpft in irgendeiner ranzigen AirBnb-Absteige in Dortmund gepennt haben. Und gerade sogar eher letzteres. Wir fühlen uns zu Hause, wenn wir tun was wir lieben und das ist vor allem auch die Abwechslung.

Aufgrund Corona sind die Möglichkeiten sich zu beschäftigen ja leider beschränkt. Was macht ihr, wenn ihr nicht gerade „Nichts tut“?

Wir befolgen strickt die drei wichtigen Corona-Säulen: Sport, Musik und Fifa 2020.

Und last but not least, was ist eure „Worst Case Band“ und welche Musiker feiert ihr zurzeit?

Ich liebe Frank Ocean gerade über alles. Alle warten ja gerade auf ein neues Album, aber ich kann mich an Channel Orange und Blonde einfach nicht satthören.

Wir sind BRUCKNER und wir…
… können alles ein bisschen und nichts so richtig.
… sind die Band, die alle anderen Bands im Beachvolleyball platt macht (nehmen jede Herausforderung an).
haben soooo Bock euch nächstes Jahr neue Musik zu zeigen.
spielen auf jeden Fall eines Tages in der Muffathalle, vorher hören wir nicht auf.
… wollen, dass ihr dann alle kommt, wenn wir in der Muffathalle spielen, sonst ist sie leer.

Titelbild Credit: ©BRUCKNER