Bernhard Geisler über Booking, Social Media und Highlights beim STOABEATZ – Das Festival am See | homies: Interview

homies: haben Bernhard Geisler, Gründungsmitglied und Teil des Organisationskomitees vom STOABEATZ - Das Festival am See zum Interview getroffen. Gemeinsam sprechen wir über das Booking, Social Media, Synergien zwischen Region und Festival sowie über neue Highlights beim STOABEATZ.
Berni Geisler STOABEATZ

Bitte stell dich uns kurz vor.

Berni Geisler, Organisation allgemein und Booking, Gründungsmitglied – also seit 2014 beim STOABEATZ mit dabei.

 

Was ist das STOABEATZ, wo findet es statt und wie sieht euer Line Up-Genre aus?

STOABEATZ – Das Festival am See“ sagt es eh schon – wir feiern vom 11. bis 13. Juni wieder drei Tage zwischen Walchsee und Kaisergebirge. Wir nutzen die landschaftliche Schönheit der Region Kaiserwinkl und verknüpfen es mit Musik, die man hier so nicht sofort vermuten würde bzw. bieten wir regionalen Acts eine lässige Bühne.

Das Line Up ist bunt gemischt, bewegt sich aber im Indie-Bereich. Tanzbarer Sound trifft auf Liedermachermusik, totales Ausrasten schließt Chillen und zuhören am Seeufer nicht aus.

Wie ist das STOABEATZ entstanden und wie hat es sich im Laufe der Zeit entwickelt?

Willi (unserem Obmann) Jakob und mir ist 2014 am Zahmen Kaiser ein alter Steinbruch aufgefallen, wo wir gemeinsam was auf die Beine stellen wollten, was sich von den bisherigen Veranstaltungen in der Region abhebt. Die Idee des Festivals war geboren und die ersten drei Jahre fand das STOABEATZ als „Festival am Lift“ statt.

Musikalisch haben wir einen ähnlichen Geschmack und so waren wir uns bei den Acts bald einig. Der Zuspruch wurde immer größer und die Location am Berg, auch wenn wir von Unfällen verschont blieben, wurde langsam zu riskant. Gleichzeitig wollten wir durch die Ausdehnung auf mehrere Tage das Wetterrisiko streuen und somit benötigten wir auch eine Campingmöglichkeit. Auch das wäre am Berg schwer geworden.

Das Platzl am Steinbruch war aber wirklich schön und so wussten wir, dass wir eine ähnlich geniale Location nur am See haben. Den Eigentümern des Grundstücks dort und des Sees (der ist in Privatbesitz), welche beide Campingplätze am See betreiben, hat das Vorhaben und die Idee dahinter sehr gut gefallen.

Da der Termin beim ersten Festival am See zufällig auf ein langes Feiertagswochenende viel und wir speziell zu Bands schlecht nein sagen können, wurden aus zwei dann drei Tage. Ich würde sagen, dass wir gesund gewachsen sind. Sowohl was die Besucherzahlen, als auch das drumherum mit Bands und Sideevents und die Organisation bzw. Infrastruktur betrifft.

Aus 400 Besuchern im Jahr 2014 wurden 4.000 im letzten Jahr mit einem ausverkauften Samstag. Das war ein sehr besonderes Gefühl. Wir werden die aktuelle Größe jedenfalls beibehalten und möchten nicht größer aber noch besser werden.

Auf was legt ihr beim Booking besonders großen Wert?

Auf eine bunte musikalische Mischung. Für das Booking 2020 haben wir uns sehr viel angesehen und waren auf vielen Konzerten und Festivals unterwegs. Wichtig für uns ist, dass die Bands ehrlich rüberkommen und eine Message vermitteln möchten, die zu uns passt. Das STOABEATZ ist vor allem dazu da, regionalen Bands eine lässige Bühne zu bieten.

Diese Kontakte machen uns großen Spaß, weil wir merken, dass sich hier was tut. Heuer haben wir sogar eine Band dabei, deren Ursprung am STOABEATZ 2019 liegt. Das exakte Genre ist uns nicht sooo wichtig aber es soll natürlich abgehen und am Nachmittag soll man auf der Uferbühne auch einfach mal nur chillig zuhören können.

Wann beginnt das Booking fürs neue Jahr?

Wir starten immer im September und versuchen bis Mitte Dezember das Booking abgeschlossen zu haben.

Wie hat sich das Booking seit seiner Entstehung verändert?

Wie gesagt, ist uns das Genre nicht so wichtig. Vielmehr passiert es uns einfach, dass die eine oder andere Richtung mal mehr oder weniger Niederschlag im Line Up findet.

Einige Leute aus unserem Kernteam haben sich heuer aber Wünsche erfüllt. Die Vorfreude im Team ist dementsprechend groß. Der Sound muss Spaß machen und der Spaß der Künstler an ihrer Musik rüberkommen. Das ist wohl das wichtigste Kriterium für uns. Was bekanntere Namen angeht merken wir, dass wir auch bei den Bands ankommen, wobei uns unser Budget Grenzen setzt.

Was sind die Herausforderung bei der Festivalorganisation vom STOABEATZ?

Da das Stoabeatz auf einer komplett grünen Wiese stattfindet, auf der sonst die Kühe grasen bzw. Leute baden gehen, ist es schon eine Challenge das Gelände so herzurichten, dass es während des Festivals gut nutzbar und danach nicht komplett umgeackert ist.

Wir haben in den letzten drei Jahren von Hitze bis Gatschhaufen so ziemlich alles erlebt und sollten jetzt gerüstet sein. Eine positive Überraschung sind unsere Festivalbesucher und hier speziell alle Camper – das Campinggelände bei uns wird zum Großteil sehr sauber hinterlassen und der Müll sehr sauber getrennt.

Positiv entwickelt sich auch das Verhältnis zu den Anrainern. Wir veranstalten ja im Wohn- bzw. landwirtschaftlichen Gebiet und sind deshalb sehr auf eine gewisse Nachtruhe ab 2 Uhr und Bewusstseinsbildung bzw. Rücksichtnahme gegenüber unseren Nachbarn bedacht. Man muss das verstehen: An dem Platz sagen sich fast das ganze Jahr über Fuchs und Hase gute Nacht. Die Wiesen dort sind Grundlage für den Erwerb der Bauern. Da ist ein dreitägiges Festival plus Auf- und Abbau ein starker Kontrast. Das heißt aber nicht, dass bei uns nicht ordentlich gefeiert werden kann.

Veranstalter ist ja der Verein Stoabeatz e.V. – wie finanziert ihr euer Festival, welche
Herausforderungen aber auch welche Vorteile gibt es als Verein in der Festivalorganisation?

Unser Verein und unser Kernteam zur Organisation sind über die Jahre gewachsen. Wir waren vor sechs Jahren nur zu Dritt. Dass wir die Aufgaben jetzt auf mehrere Schultern verteilt haben aber auch Ideen von mehr Leuten einfließen, macht die Arbeit um einiges leichter und das Stoabeatz sicher besser. Wir sind langsam gewachsen und haben viele Erfahrungen erst machen müssen – „learning by doing“ halt.

Finanziert wird das Festival hauptsächlich durch den Ticketverkauf. Bei den Sponsoring-Partnerschaften setzen wir auf möglichst längerfristige Vereinbarungen, um Planungssicherheit zu haben. Etwa mit der Sparkasse Kufstein, Zipfer Bier, Havana Club oder Spar arbeiten wir seit mehreren Jahren zusammen. Auch die Gemeinde Walchsee, der Tourismusverband Kaiserwinkl und die Abteilung Kultur des Landes Tirol unterstützen uns.

Apropos Verein: Seit 2018 sind wir Mitglied beim Netzwerk Österreichischer Festivalfreunde (NOEFF). Eine Vereinigung von kleinen österreichischen Festivals, die sich regelmäßig treffen und austauschen. Gegenseitige Festivalbesuche gehören da genauso dazu.

Wie kann man sich das Marketing von einem Festival vorstellen, es gibt sicher unzählige Prozesse die ineinander greifen. Welchen Einblick könnt ihr und geben und vielleicht habt ihr sogar Tipps für andere Veranstalter?

Ganz ehrlich, ich glaube da gibt es bessere bzw. strukturiertere Arbeitsweisen als unsere. Einen groben Maßnahmenplan haben wir seit letztem Jahr und der hilft natürlich sehr dabei, die Übersicht zu behalten. Ich glaube die Kunst ist es, niemanden zu vergessen und sowohl Follower auf Social Media, klassische Medien, Foren, Plattformen und aber auch seine Sponsoren und Fördergeber regelmäßig mit Information zu versorgen.

Wie wichtig ist für das STOABEATZ Social Media geworden?

Wir haben das ja fast verschlafen. Einen eigenen Facebook-Account haben wir erst seit August 2014 und auf Instagram sind wir seit 2017 zu finden. Diese Kanäle sind uns natürlich wichtig aber wir suchen auch aktiv den Kontakt zu den klassischen Medien wie Radio, TV und der Presse. Gewinnspiele gehören natürlich dazu. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist bei bezahlten Einschaltungen, zumindest gefühlt, bei Social Media am besten. Es bedarf aber auch eines großen Zeitaufwandes, das einigermaßen ordentlich hinzukriegen. Wir wollen unsere Follower auf dem Laufenden halten aber nicht zumüllen.

Das STOABEATZ setzt jedes Jahr wieder Regionalität und fördert regionale Anbieter – wie ist dieses Konzept entstanden und auf welche Schmankerl kann man sich 2020 freuen?

Entstanden ist es sehr logisch. Wir sind in einer Region daheim, wo sehr viel Gutes Essen produziert wird bzw. es gute Anbieter für Dinge, die wir brauchen gibt. Milch, Eier und Brot für unser Frühstück z.B. kommen von Produzenten aus dem Ort. Das Catering haben ein Bio-Produzent (Gaumenwerk Kufstein) bzw. eine lokale Grillschule (Tobi’s GrillArt) über. Unsere Getränke beziehen wir über den lokalen Spar-Supermarkt bzw. Getränkehändler. TR-Eventtechnik kommen auch aus der Region. Das hilft bei der Organisation und hat uns schon aus so mancher Notlage geholfen.

Wenn wir unsere Wanderungen machen gibt’s ein Schnapsl auf der Alm und unser Waldaufseher Sebastian gibt Einblicke in die lokale Land- und Forstwirtschaft. Das klingt sehr einfach aber die Summe von alledem macht das Stoabeatz aus.

Was kann man sich 2020 erwarten – gibt es neue Highlights/Akzente die gesetzt werden?

2020 sind so viele musikalische Acts wie noch nie am See zu erleben. Wir haben jeden Tag noch einen Slot eingeschoben und freuen uns jetzt auf 23mal Musik. Ansonsten wird’s wieder einige Side Events wie Wanderungen, Grill- und musikalische Workshops geben.

Außerdem werden wir uns bei der Kulinarik noch was einfallen lassen und die Uferbühne direkt am See etwas aufmotzen. Hier gibt’s schon ein paar gute Ideen, die wir versuchen umzusetzen.

Dein bisher größter Festivalmoment am STOABEATZ?

Hmmm schwierig aber vormittags über den Campingplatz schlendern und da und dort mit den BesucherInnen zu plaudern ist eine echt feine Sache. Als wir letztes Jahr am Samstag erstmals ausverkauft waren, war das natürlich auch sehr cool.

Welche 3 Dinge würdest du dir unbedingt noch für das STOABEATZ wünschen – unabhängig von finanziellen Mitteln?

– Dass es das Stoabeatz noch viele weitere Jahre gibt.
– Dass unsere Festivalbesucher weiterhin so friedlich, rücksichtsvoll und doch verrückt bleiben.
– Alle drei Tage auszuverkaufen wär schon geil.

Vielen Dank für das Interview!

Titelbild Credit: © Jonathan Forsthuber