Amistat über „Love and Light“, Freundschaft, ihre neue EP & den Umgang miteinander | homies: Interview

Amistat - Das gefühlvolle Geschwisterduo aus Deutschland im homies: Interview über ihre neue EP, ihre Familie und den Umgang miteinander
Amistat Interview

Das Geschwisterduo Josef und Jan verzaubert Zuhörer weltweit mit ihren harmonisch-melancholischen Songkreationen. Wir haben uns mit Jan vor ihrem Auftritt in Salzburg über ihre neue EP, Inspiration, Motive und vieles mehr unterhalten.

Formalitäten zuerst: „Amistat“, wie kam es zu diesem Namen?

Jan:Amistat kommt aus dem katalanischen und bedeutet Freundschaft. Zum ersten Mal aufgefallen ist uns der Begriff im Song „You Found Me“ von The Fray, die früher eine der Lieblingsbands meines Bruders und mir waren. Wir haben dann die Bedeutung des Wortes nachgeschlagen und mit „Freundschaft“ den perfekten Namen für unser Duo gefunden.“

Passend zum Namen ist auch der Umgang mit ihrem Publikum. Man kennt sich. Viele sind nicht zum ersten Mal bei einem Konzert der Band und einige reisten sogar extra an. Immer wieder unterbrechen wir unser Gespräch und Jan umarmt, lacht und unterhält sich mit Fans, die augenscheinlich zu Freunden geworden sind. Musik verbindet ja bekanntlich und genau das, Menschen verbinden, scheint den Brüdern mit jedem ihrer Songs immer wieder aufs Neue zu gelingen.

In euren Liedern finden sich starke Einflüsse von Künstlern wie Cat Stevens, Ben Howard oder auch Bon Iver. Wieso habt ihr euch genau für diese Art der Musik entschieden, um Menschen mit euren Botschaften zu erreichen?

Jan: „Wir sind mit Cat Stevens aufgewachsen, natürlich auch mit anderen Künstlern wie zum Beispiel den Beatles, aber Cat Stevens hatte für uns immer einen besonderen Stellenwert. Vielleicht gerade wegen dieser Mischung aus Melancholie und Emotionen. Für mich ist das ehrliche Musik, es kommt von Herzen und es ist in jedem Lied eine gute Message verpackt. Cat Stevens machte auch auf politische und gesellschaftliche Missstände aufmerksam und trat für Umweltschutz ein. Vielleicht ist das bei uns schon als Kind mit hängen geblieben und deshalb machen wir jetzt diese Art der Musik, die wir eben machen.“

Eine gute Message schwingt in den Songs der beiden auf jeden Fall immer mit, vor allem in ihrer aktuellen EP „Love and Light“, mit der sie ihre Zuhörer definitiv zum Nachdenken anregen.

Eure aktuelle E.P. „Love and Light” behandelt Thematiken rund um den Umgang von uns Menschen miteinander, aber auch den Umgang mit der Natur. Sind Umweltschutz und Empathie für euch auch privat stark relevante Themen?

Jan: „Das Thema Umwelt hat uns vor allem in den letzten zwei Jahren sehr beschäftigt. Ich fand mich in einer Beziehung wieder, die mir den Bezug zu meiner Umwelt auf eine neue Art eröffnete. Und wenn man sich mit Leuten umgibt, die eine Leidenschaft für diese Themen hegen, fängt man selbst an sich mehr damit zu beschäftigen. Da kam dann auch das Bewusstsein auf, was man für die Umwelt machen könnte und was eigentlich so passiert auf der Welt. Meiner Ansicht nach würden wir Menschen, die Natur um uns herum um einiges besser behandeln, wenn wir zuerst den Umgang miteinander verbessern würden. Eines führt zum anderen, deshalb auch „Love and Light“: Mach einfach du dein Bestes und alles andere wird sich dann danach ausrichten.“

Wenn es um den Umgang miteinander geht, macht den beiden Brüdern keiner so schnell etwas vor. Herzlich, höflich und unendlich dankbar, so treten sie ihren Fans gegenüber. Die intensivste Form des Umgangs miteinander ist bekanntlich die Liebe und auch mit diesem Thema haben sich Amistat musikalisch bereits auseinandergesetzt.

Eure EP „Nostalgia“ war stark auf das Thema Liebe fokussiert und hat rundum einen anderen Sound als „Love and Light“. Wie hat sich euer Songwriting-Prozess weiterentwickelt? 

Jan: „Wenn es um Liebe geht, ist der Sound natürlich immer extra melancholisch. Mein Bruder Josef schreibt eigentlich nie über Liebe. Er hatte immer das Glück, sich in gut funktionierenden Beziehungen wiederzufinden und ich war immer der, bei dem das mit den Beziehungen nicht so ganz geklappt hat. Vor „Nostalgia“ gab es unser Album „Parley“, das als Ganzes sehr dunkel und heavy war. Mit „Nostalgia“ schlugen wir dann eine etwas andere Richtung ein und „Love and Light“ erlaubte uns zum ersten Mal etwas mehr Bewegung in unsere Songs zu bringen und auch zum ersten Mal ein richtiges Schlagzeug zu verwenden. Mit dem Song „Something Wrong“ spannen wir aber auch wieder den Bogen zurück zu „Nostalgia“ und „Parley“.  „Love and Light“ war auch das erste Werk, das wir außerhalb Australiens aufgenommen haben – mit 3 verschiedenen Producern. Daraus ergibt sich ein sehr schöner Mix, mit dem ich sehr zufrieden bin. Wir sind mit Sicherheit noch nicht zu 100 % angekommen und wollen noch einiges ausprobieren. „Love and Light“ war ein wunderschönes Projekt und unsere nächste EP wird nochmal etwas ganz anderes. Lasst euch überraschen.“

Überraschen lassen wir uns sehr gerne. Doch ein paar Informationen zur neuen E.P gibt es dann doch schon und die wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Was können wir und die Fans von euch 2020 erwarten? 

Jan: „Auf jeden Fall neue Musik. Unsere neue Single „Listen to the Silence“ nehmen wir in Australien auf, die EP selbst aber in Berlin. Produzieren wird sie ein guter Freund, mit dem wir zum ersten Mal zusammenarbeiten dürfen. Der Sound wird wieder mehr in Richtung Akustik gehen. Nach „Love and Light“ wir diese EP erstmal wieder ein bisschen ruhiger, aber es gibt auch ein paar Songs, die diese Ruhe durchaus durchbrechen werden. Der Name der EP steht noch nicht sicher fest, aber „Listen to the Silence“ ist schon mal ein guter Richtwert.“

Salzburg, Australien, Berlin: Amistat scheinen ständig unterwegs zu sein. Ob da genug Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben bleibt?

Auch Familie ist ein Thema das ihr in eurer Musik verarbeitet. So zum Beispiel im Song „Loner“, inspiriert von eurem Vater. Was ist die Geschichte dahinter und welchen Stellenwert hat Familie für euch? 

Jan: „„Loner“ ist tatsächlich ein alter Song, den wir vor ca. 5 oder 6 Jahren geschrieben haben. Jetzt wollen wir diesen aber neu aufnehmen. Ich war immer mehr ein Papa-Kind, er war für mich immer ein Held. Unser Vater hatte einen schweren Unfall und wäre beinahe gestorben und dieses Erlebnis hat uns als Familie auch noch einmal enger zusammengeschweißt.

Familie ist generell mit das Wichtigste für uns. Wir haben eine richtig gute Beziehung zu unseren Eltern. Die beiden haben uns immer bei allem unterstützt. Papa ist Australier, so haben wir auch den australischen Pass bekommen und hatten die Möglichkeit für längere Zeit dort zu leben. Als wir dann nach Australien sind, haben wir unsere Familie vielleicht einmal im Jahr, eine Woche lang, gesehen. Davor war der Kontakt immer sehr intensiv und danach dann plötzlich nicht mehr. Das war für uns alle, aber vor allem für unsere Mama, ein großer Test. Und das Lied „Loner“ ist dann eben im ersten Jahr, in dem wir alleine in Australien waren, entstanden.“

Ihr seid viel herumgekommen. Denkst du, dass unterschiedliche Orte und Publika unterschiedliche Energien mit sich bringen? Und hast du einen Lieblingsort zum Auftreten?

Jan: „Absolut. Australier geben sich, zum Beispiel, immer cool. Die werden nie so richtig emotional. Man sieht nicht viele Leute weinen, so auch in Deutschland. Wien hingegen, ein sehr emotional offenes Publikum, auch in Holland und Frankreich. Engländer wiederum eher abgestumpft. Man spürt definitiv die verschiedenen Energien der einzelnen Städte. Auch innerhalb Deutschlands spürt man die Unterschiede. München und Köln zum Beispiel, da liegen Welten dazwischen. Meine Lieblingsorte zum Spielen sind vermutlich Amsterdam, Wien und letztes Mal hier in Salzburg war auch richtig gut. Und natürlich Köln.“

Ihr spielt auch viele kleine, intime Shows. Wie ist das, vergleichbar zu Shows auf größeren Bühnen? Was sind die Vor- und Nachteile?

Jan: „Auf größeren Bühnen kann man soundmäßig natürlich viel mehr machen. In einem Wohnzimmer bleibt es oft bei Akustikversionen. Die Nähe zum Publikum ist bei Hauskonzerten, aber natürlich etwas ganz anderes. Das Publikum ist viel integrierter. Man unterhält sich, Leute stellen Fragen.

Hauskonzerte sind viel intensiver. Ich mag diese Art der Konzerte sehr gern, aber man ist auch viel mehr mit den individuellen Reaktionen des Publikums konfrontiert. Du spielst und siehst zum Beispiel jemanden, der sich am Kopf kratzt und das bringt dich schon irgendwie raus. Auf einer großen Bühne mit Lichtern, die Leute sind 5m weg, das gibt einem mehr Freiheit in seine eigene Welt einzutauchen und alles andere auszublenden.“

Um auch ja kein Konzert des Duos zu verpassen und die beiden zu unterstützen, bietet es sich an, ihnen auf Social Media zu folgen. Instagram, Twitter, Facebook, Spotify und Youtube, alles vorhanden und mit liebevoll gestaltetem Content bestückt. Musik, Bilder, Einblicke in ihr Leben, ich kann jedem nur empfehlen, sich selbst ein Bild der Band zu machen.

Für den Fall, dass man Amistat noch etwas tatkräftiger unterstützen möchte, haben die beiden einen Patreon Account eingerichtet.

Was erwarten die Fans, die euch gerne über Patreon finanziell etwas unter die Arme greifen wollen?

Jan: „Unsere Unterstützer erhalten zum Beispiel vorab Lyrics von Songs oder auch Demo-Versionen. Wir verschicken auch persönlich Sprachnachrichten, um sie auf dem Laufenden zu halten und einfach Bescheid zu geben, wo wir gerade stehen. Je nach Tier bedanken wir uns auch in Form von Credits am Ende unserer Musikvideos. 

Aber ich hoffe stark, dass wir unseren Patreon Account im nächsten Jahr, nach unserer Australien-Tour wieder schließen können. Es gibt bestimmt wichtigere Dinge, die Leute unterstützen können. Das Geld hat uns natürlich unglaublich geholfen, ob zum Touren, zum Produzieren von Musik, egal für was. Wir sind auf jeden Fall unendlich dankbar.“

Auch wir von homies: music & events sind wirklich dankbar, dass sich Jan für dieses Interview bereiterklärt hat und wir wünschen Amistat ein wunderschönes 2020.

Amistat

Genre: Folk
Mitglieder: Jan & Josef
Herkunft: Deutschland
Gründungsjahr: 2011

Titelbild Credit: ©Pat O’Hara

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