Nach dem Highfield-Aus: Großpösna hofft auf neues Festivalformat

Das Highfield verschwindet vorerst vom Störmthaler See. Für Großpösna ist das mehr als eine traurige Festivalmeldung. Die Gemeinde verliert einen ihrer größten Besuchermagnete.

Bürgermeister Daniel Strobel gibt den Standort trotzdem nicht auf. Gemeinsam mit dem Veranstalter will er nach neuen Ideen suchen. Die riesige Fläche am See könnte künftig eine andere Veranstaltung beherbergen.

Noch ist nichts entschieden. Doch die Hoffnung lebt.

Festivalbranche kämpft mit explodierenden Kosten

Das Highfield steht mit seinen Problemen nicht allein da. In Mitteldeutschland haben bereits das Melt und das Full Force ihr Ende verkündet.

Johannes Everke vom Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft beschreibt eine Branche unter massivem Druck. Laut Everke liegen die Produktionskosten heute rund 50 Prozent über dem Niveau vor der Corona-Pandemie.

Personal kostet mehr. Technik kostet mehr. Energie, Logistik und Künstlergagen reißen immer größere Löcher in die Budgets.

Gleichzeitig wächst das Angebot. Everke schätzt, dass es bundesweit rund 20 Prozent mehr Festivals gibt als früher. Mehr Veranstaltungen kämpfen also um dieselben Fans, dieselben Acts und dieselben begrenzten Einnahmen.

Der Markt ist voll. Für viele Festivals wird die Luft dünn.

Highfield plant eine kreative Pause

Die Highfield-Veranstalter wollen 2027 pausieren. In dieser Zeit soll ein neues Konzept entstehen.

Für Bürgermeister Strobel kam die Entscheidung nicht völlig überraschend. Die Gemeinde und der Veranstalter hätten schon länger offen über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten gesprochen.

Trotzdem trifft ihn das Aus. Jedes Jahr lockte das Highfield bis zu 35.000 Menschen an den Störmthaler See. Großpösna selbst zählt nur etwa 6.000 Einwohner.

Das Festival brachte volle Unterkünfte, hungrige Gäste und viel Aufmerksamkeit. Bilder vom See gingen durch ganz Deutschland. Für die Region war das unbezahlbare Werbung.

Wir verstehen deshalb, warum Strobel jetzt nach einer neuen Lösung sucht. Ein stilles Gelände wäre für Großpösna ein herber Verlust.

Das Festivalsterben überrascht kaum noch

Auch Andreas Zagelow, Musikchef bei MDR Sputnik und MDR Kultur, hatte das Ende kommen sehen. Gerüchte kursierten bereits seit längerer Zeit.

Die Livebranche steuert laut Zagelow seit Jahren auf eine Marktbereinigung zu. Festivals mit starken Geldgebern konnten länger durchhalten. Kleinere oder wirtschaftlich schwächere Formate geraten schneller ins Wanken.

Ein großes Publikum schützt dabei nicht automatisch vor roten Zahlen. Selbst gut besuchte Festivals müssen mit hohen Vorabkosten rechnen. Bleiben Ticketverkäufe hinter den Erwartungen zurück, wird es schnell gefährlich.

Zwischen Herzschmerz und harter Kritik

In der MDR-Community löste die Highfield-Nachricht sehr unterschiedliche Reaktionen aus.

Eine Besucherin erinnerte sich an eine kleine, heile Festivalwelt. Für sie bedeutete das Highfield unbeschwerte Tage, Musik und gemeinsames Abschalten.

Andere kritisierten strenge behördliche Auflagen. Sie sehen darin zusätzliche Kosten und Regeln, die kaum zur Realität großer Veranstaltungen passen.

Es gibt aber auch kühlere Stimmen. Einige Fans empfanden das Highfield zuletzt als zu kommerziell. Andere störten sich am breiten Musikmix.

Genau darin liegt das aktuelle Problem vieler großer Festivals: Sie wollen möglichst viele Menschen erreichen. Dabei verlieren sie manchmal ihr eigenes Gesicht.

Festivals brauchen wieder eine klare Identität

Everke glaubt, dass Festivals künftig stärker auffallen müssen. Ein beliebiges Line-up und ein großer Campingplatz reichen nicht mehr.

Veranstalter müssen wissen, für wen sie ihr Festival bauen. Eine klare Szene. Ein besonderes Gelände. Ein mutiges Programm. Ein Erlebnis, das Besucher nicht an jeder zweiten Bühne bekommen.

So entsteht eine echte Community. Und nur eine starke Community kommt jedes Jahr zurück.

Das Highfield muss deshalb vermutlich neu definieren, was es sein will. Breites Mainstream-Festival? Rock-Wochenende am See? Urbanes Musikformat? Oder etwas völlig Neues?

Fans überlegen genauer, wofür sie zahlen

Auch das Publikum spürt den Kostendruck. Mieten, Lebensmittel und Reisen sind teurer geworden. Ein Festivalticket konkurriert inzwischen mit Urlaub, Konzerten und alltäglichen Rechnungen.

Die Zahlungsbereitschaft sinkt. Das beobachtet auch Zagelow.

Gleichzeitig wird es schwieriger, exklusive Line-ups zusammenzustellen. Große deutsche Acts wie K.I.Z oder Kraftklub spielen im Sommer zunehmend eigene Tourneen. Für Festivals bedeutet das: höhere Gagen, weniger Verfügbarkeit und weniger besondere Namen auf dem Plakat.

Der Druck trifft die gesamte Musikbranche. Große Konzerte spüren ihn. Kleine Clubs und unabhängige Festivals trifft er besonders hart.

Was am Störmthaler See nach 2027 entsteht, bleibt offen. Wir hoffen auf ein Format mit eigenem Charakter. Nicht auf eine blasse Kopie des Highfield.

Der Standort verdient eine neue Idee. Und Großpösna braucht wieder laute Sommernächte.

By Levin Heuer

Mein Name ist Levin Heuer. Ich arbeite bei homies in Berlin. Ich interessiere mich besonders für digitale Innovationen und neue Technologien. Am liebsten schreibe ich über Start-ups, Social Media und die Technikszene in Deutschland. Ich habe 2016 meinen Bachelor in Medienwissenschaft an der FU Berlin gemacht. Danach habe ich ein Volontariat bei einer Online-Zeitung in Berlin abgeschlossen. Seit 2021 bin ich Teil des homies-Teams und berichte regelmäßig über Trends aus der digitalen Welt. Email: [email protected]

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