6 Songs, in denen AnnenMayKantereit, JEREMIAS, blackbear, Lauv mit Troye Sivan, Billie Eilish und Tom Odell Melancholie groß schreiben | Sixtape

Was für mich Melancholie ist? Wenn ich im Bus sitze, meinen Kopf gegen die Scheibe lehne (aus Hygiene-Gründen davor noch die Kapuze drüber) und die Kopfhörer meine Ohren vor dem restlichen Lärm der Welt schützen. Da stellt sich dann nur mehr die Frage, was bei den Kopfhörern rauskommen soll... Die Antwort gibt’s hier im homies: Sixtape!
Sixtape Melancholie

#1 AnnenMayKantereit - Ozean

Fast jedes gefühlsduselige Lied (ihr werdet’s gleich sehen) beginnt mit Piano, nicht aber bei unseren Lieblingskölnern: Die fangen mit einer Gitarre an, dann Henning’s Stimme und viel mehr kommt am Ende auch nicht mehr dazu. Da geht’s halt wirklich nur um den Text:

Der Ozean, von dem hier gesungen wird, soll laut AnnenMayKantereit „zwischen mir und meiner Vergangenheit“ sein. Die Quintessenz ist, die Vergangenheit nicht unbedingt immer nachbearbeiten zu wollen und einfach mal so sein zu lassen, wie sie war – einfach mal ´nen Ozean dazwischenschieben.

„Ozean“ ist übrigens erst 2019 released worden, nachdem die Jungs im Jahr davor auf Tour bei jedem Konzert vor einem mit Handytaschenlampen leuchtenden Menschenmeer gestanden sind und dieses Lied gesungen haben. 
Mit diesem Bild im Kopf lässt sich’s doch gleich viel leichter melancholisch sein…

„Ich will nicht traurig sein und ich will nicht drüber reden
Ich will der ganzen Scheiße nicht nochmal begegnen“
AnnenMayKantereit

#2 JEREMIAS - Grüne Augen lügen nicht

„Melancholie ist das Vergnügen, traurig zu sein.“ – Auch, wenn die Idee, in Reden und Texten von Zitaten Gebrauch zu machen, schon ziemlich abgegriffen scheint, kann und will ich mir dieses eine von Victor Hugo nicht verkneifen. Dass aus Melancholie auch ein Vergnügen werden kann, hat JEREMIAS hiermit endgültig bewiesen.

Die vier noch viel zu unbekannten Hannoveraner, die sonst eher Funk im Blut beweisen, schalten hier mal vier Gänge runter und erzählen nur mit Klavier und Wort einen wehmütigen Rückblick auf eine vergangene Liebesbeziehung. Die Lippen, der Kopf im Arm und die Tschick nach dem Sex – all das fehlt jetzt.

Eine Kopfstimme, die passender nicht eingesetzt werden können, Glaubwürdigkeit und einfach geile Akkorde machen den Song wohl zu einem der gefühlvollsten deutschen Releases im Jahr 2019.

„Angst vor Stagnation, hab Angst vor Stillstand
Angst vor zu viel Raum in meinem Kopf“ – JEREMIAS

#3 blackbear - NYLA

Ja, Melancholie ist oft in der Liebe daheim. blackbear (Matthew Musto) erzählt in „NYLA“ von einer durch 2800 Meilen (ca. 4.506 km) getrennten Fernbeziehung zwischen New York und Los Angeles, für die er sich scheinbar verantwortlich fühlt.

Melancholie kann sich also neben dem Schwelgen in Vergangenem auch durch Gedanken an Gegenwärtiges und die Zukunft zeigen. blackbear weiß, dass alles gut wird, aber auch, dass jetzt so ziemlich nichts nach Plan läuft. Gut, wenn dann zumindest die Hoffnung bleibt!

„I know that you’re hurt, I know I’m to blame
But I’ll make it work, I’ll make you stayblackbear

#4 Lauv, Troye Sivan - i’m so tired… Stripped - Live in LA

Den endgültigen Beweis, dass melancholische Lieder nicht mehr brauchen, als ein Klavier und Stimme(n), liefern Lauv und Troye Sivan. Wie wenn das Original (auch von den beiden, halt nur nicht „stripped“) nicht schon genug Melancholie hervorbringen würde, haben sie im März 2019 nochmal nachgelegt. Kleiner Tipp: Musikvideo!

Inhaltlich tut sich da jetzt nichts Besonderes, aber jetzt mal ehrlich, wenn sich Lauv und Troye Sivan in einem Song zusammentun, bei dem einfach nur ihre Stimmen im Mittelpunkt stehen…. kann doch nur gut werden, oder?

„Party, trying my best to meet somebody
But everybody around me is falling in love to our song“Lauv

#5 Billie Eilish - idontwannabeyouanymore

Wenn man jemandem ein Beispiel für Melancholie vorweisen müsste, würde ich ihm oder ihr einfach die Lyrics von „idontwannabeyouanymore“ auf den Tisch legen. Da muss man auch nichts mehr hinzufügen. Gemeinsam mit ihrem Bruder Finneas zeigt Billie anhand ihrer tiefsten Gedanken, wie sich Trübsinn und Nachdenklichkeit zeigen kann.

Die, zu der Billie spricht, ist sie selbst. Und viel ehrlicher könnte sie nicht sein: alles, was sie ist, was sie denkt und was sie macht, passt ihr einfach nicht ins Konzept. Ein Lied voller Selbstzweifel – da fühlen sich einige verstanden.

Mit super vielen kritischen Gedanken, aber mit mindestens genau so viel Power ist Billie Eilish so ehrlich zu sich und der gesamten Welt, wie es sich wohl kaum ein anderer trauen würde – Respekt!

„If teardrops could be bottled

There’d be swimming pools filled by models“Billie Eilish

#6 Tom Odell - Real Love

Ganz anders, aber super schön und ziemlich kitschig wird’s bei Tom Odell. Der Titel „Real Love“ sagt schon alles, da gibt’s dann auch nicht viel mehr anderen Text – ganze 16 Mal traut sich der Engländer, der die Dur-Tonleiter nicht zu kennen scheint, die Zeile „it’s real (Love)“ zu wiederholen.

So wird aber auch ganz schön gezeigt, dass Melancholie nicht immer so kompliziert sein muss. Das, was den Song so schön macht, ist wie so oft das Piano. Für noch mehr Kitsch sorgen dann sogar Streicher und (ja, eine Schippe geht immer noch obendrauf) am Ende sogar noch ein Chor – what the Kitsch!!

Aber eben alles in allem einfach einer schöner Song gesungen von einem krassen Sänger.

„All my little plans and schemes
Lost like some forgotten dream“Tom Odell

Titelbild Credit: ©Sophie Green, Billie Eilish, Michael Sobolev, Lauren Dunn, Martin Lamberty

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